Mixingtechniken in SpectraLayers Pro

Spectral Molding und Spectral Casting sind revolutionär fürs Mixing und Sounddesign.

Spectral Molding und Spectral Casting sind revolutionär fürs Mixing und Sounddesign. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die dafür benötigten Werkzeuge und ihre besondere Arbeitsweisen vor.

Abbildung 1: Die Gitarre "übertönt" die Gesangsspur im Gesamtmix.

Abbildung 1 stellt repräsentativ die Gitarrenspur und den Gesang dar. Spielt man beide Kanäle auf voller Lautstärke ab, werden die Vocals von der Gitarre meist übertönt. In unserem Beispiel ist das Wort "GUITAR" ohne Probleme lesbar, das Wort "VOCALS" ist hingegen nur schwer zu erkennen. Bei konventionellen Tonmischungen wird in der Regel ein bestimmter Kanal abgeschwächt, um einen anderen im Mix zu betonen. So wird beispielsweise die Lautstärke der Leadgitarre reduziert, um dem Gesang mehr Raum im Gesamtmix zu geben.

In Abbildung 2 wird dies durch die Verringerung der Deckkraft des Wortes "GUITAR" dargestellt. Jetzt sind die "VOCALS" zwar leichter zu erkennen, die Gitarren jedoch so sehr abgeschwächt, dass sie im Mix kaum noch hörbar sind.

Abbildung 2: Der Gesang ist bei abgeschwächten Gitarren jetzt besser im Mix zu hören.

Spectral Casting wählt hier einen subtileren Ansatz, um beiden Spuren Durchsetzungskraft im Mix zu verleihen. Statt die gesamte Gitarrenspur in ihrer Lautstärke zu verringern, werden nur sich überschneidende Frequenzen entfernt. Der Klangcharakter der Gitarren bleibt so erhalten und die Gesangsspur erhält genug Raum, um einen transparenten Klang zu entfalten.

Abbildung 3: Durch Spectral Casting betonen wir die Vocals auf natürliche Weise.

In Abbildung 3 ist das Ergebnis des Spectral Castings visualisiert. Jede Überschneidung der beiden Spuren wurde in den Gitarren entfernt und gibt den Vocals im Gesamtmix mehr Raum zum Atmen.

In der nächsten Abbildung haben wir die Vocals ausgeblendet, die Überschneidungen sind deutlich zu erkennnen.

Abbildung 4: Spectral Casting schneidet Frequenzbereiche aus dem Gitarrentrack, die Vocals haben mehr Raum im Mix.

Wir sind noch lange nicht am Ende unserer Möglichkeiten, hier beginnt das Spezialgebiet von Spectral Molding. Die entfernten Überschneidungen ziehen Sie einfach auf eine neue Spur und bearbeiten sie dort unabhängig vom Quellmaterial weiter.

Abbildung 5: Der Abdruck enthält nur die Frequenzen, die in beiden Spuren vorkommen.

Abbildung 5 zeigt nur die sich überlappenden Frequenzen der beiden Aufnahmen, den sogenannten Abdruck. Das eigentlich Faszinierende hierbei: Der Abdruck der ausgeschnittenen Gitarrenfrequenzen enthält die Obertonstruktur unserer Vocals! Gerade für das Sound- und Gamedesign gibt Ihnen das ganze neue Möglichkeiten.

Zum besseren Verständnis ist das Prinzip von Spectral Casting & Molding noch einmal auf andere Art visualisiert.

Abbildung 6: Die rote Gitarrenspur maskiert die blauen Vocals bei Überschneidungen.

Abbildung 6 zeigt das Frequenzspektrum von Gitarre und Vocals. Das rote Muster stellt dabei die Struktur der Gitarre, das blaue Muster die der Vocals dar. Die Gitarre übertönt unsere Vocals eindeutig. ähnlich wie in Abbildung 1. Überschneiden sich die beiden Muster, erkennt man nur die Gitarre, der Gesang wird vollständig maskiert.

Unser Ziel ist wieder, die Vocals im Gesamtmix hervorzuheben. Angewendet auf unser grafisches Beispiel soll bei einer Überschneidung des blauen und roten Musters das Blaue besser zu erkennen sein. Während der Mischung würden Sie also vermutlich den Pegel der Gitarren herunterfahren. Das simulieren wir, indem wir die Deckkraft des roten Musters, unserer Gitarren, reduzieren. Die blauen Muster sind nun besser erkennbar.

Nun werden schnell zwei Probleme klar: Die Deckkraft des roten Musters wurde überall reduziert. Also auch in Frequenzbereichen, die sich nicht überschneiden.

Das zweite Problem liegt bei den Überschneidungen: Dort, wo sich das rote und blaue Muster überschneiden, mischen sich auch die beiden Farben. Anders formuliert: Die Frequenzen der Gitarre vermischen sich mit denen der Vocals – Gesang und Gitarre verlieren etwas an Klangfarbe.

Dieser Effekt muss nichts Schlechtes sein, teilweise ist er sogar erwünscht. Mit Spectral Casting können Sie solche Herausforderungen differenzierter angehen und interessante Ergebnisse erhalten. Spectral Casting reduziert nicht das gesamte Frequenzspektrum, wie es ein Fader tun würde, sondern ausschließlich die sich mit den Vocals überschneidenden Frequenzen. Die restlichen Teile der Tonspuren bleiben dabei unberührt und es entsteht ein völlig anderer Mix.

Abbildung 7:  Links sehen wir eine klassische Mischung, rechts einen Spectral Casting Mix.

Vergleichen Sie die beiden Seiten der Abbildung. Die rechte Seite stellt das Ergebnis von Spectral Molding dar: Nur die sich überschneidenden Frequenzen von blau und rot wurden entfernt. Sich nicht überschneidende Bereiche bleiben unberührt und deutlich zu sehen.

Mit Spectral Molding lässt sich dasselbe Ergebnis erreichen. Allerdings mit einem elementaren Unterschied: Sie haben Zugriff auf den ausgeschnittenen Abdruck - den "Abfall" - des Spectral Castings. Diesen können Sie extrahieren und völlig frei bearbeiten.

Abbildung 8: In Spectral Molding extrahieren Sie den zuvor erzeugten Abdruck und bearbeiten ihn unabhängig vom Quellmaterial.

In Abbildung 8 lässt sich dies visuell veranschaulichen: Der Abdruck ist mit einem Rauschfilter belegt wieder eingesetzt worden und leicht zu erkennen.

Diesen können Sie je nach Belieben in den Gesamtmix integrieren. In einer Tonmischung könnten Sie beispielsweise einfach einen Filter hinzufügen.

Abbildung 9: Das Ergebnis des Spectral Moldings ist ein Abdruck der sich überschneidenden Frequenzen.

Abbildung 9 zeigt den extrahierten Abdruck ohne das Quellmaterial.

Zeit, SpectraLayers Pro in Aktion zu erleben.

Abbildung 10: Diese Abbildung zeigt die harmonische Struktur der Vocals.

Abbildung 11: Die Musikspur ist durchgängig und sehr dicht.

Sie sehen ein Projekt in SpectraLayers Pro. Abbildung 10 zeigt die Gesangsspur, Abbildung 11 hingegen nur die Musikbegleitung. Beachten Sie die ausgeprägte Obertonstruktur des Gesangs im Gegensatz zum durchgängig dichten Verlauf der Musikspur.

Vocals anhören

Musik anhören

Wenden Sie nun Spectral Casting an, um einen Gesangsabdruck aus der Musikspur zu stanzen. Genau wie im Beispiel der farbigen Muster können Sie erkennen, wie durch das Spectral Casting in der Musikspur an jeder Überschneidung mit den Vocals Frequenzen entfernt wurden. Vergleichen Sie die Musikspuren aus Abbildung 11 und 12 miteinander. Der entfernte Abdruck ist deutlich erkennbar.

So hört sich das Ergebnis des Spectral Casting an

Zugunsten der Anschaulichkeit im Frequenzspektrum haben wir hier Einstellungen verwendet, die nicht zu einem optimalen akustischen Ergebnis führen.

Abbildung 12: Der extrahierte Abdruck gibt den Vocals mehr Raum im Gesamtmix.

Bei Spectral Molding handelt es sich grundsätzlich um den gleichen Vorgang wie bei Spectral Casting. Das wissen wir bereits. Mit der Ausnahme, dass Sie beim Spectral Molding Zugriff auf den erzeugten Abdruck haben und diesen auf jede mögliche Art in den Gesamtmix einbinden können.

Abbildung 13 zeigt das Frequenzspektrum unseres Abdrucks. Die Visualisierung ist zwar wenig anschaulich, das Hörbeispiel spricht dafür umso mehr für sich selbst.

Abdruck anhören

Sie hören hier die "spektralen Gemeinsamkeiten" von Gesang und Musikbegleitung, jedoch in der akustischen Textur der Vocals. Das klingt wie ein experimenteller Vocoder-Sound aus Sprache und Musik. Und da wir uns im Spectral Molding befinden, können wir diesen Abdruck weiter verwenden und bearbeiten.

Abbildung 13: Der Abdruck lässt sich völlig frei bearbeiten.

Sie haben nun einen Überblick der Grundfunktionen von Spectral Casting und Spectral Molding. Wie Sie sicher selbst schon erkannt haben, ist das Potential dieser einzigartigen Werkzeuge weitaus größer, als wir in diesem Artikel erläutern könnten.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei Ihren eigenen Experimenten mit Spectral Casting und Molding!