Kreative Gesangseffekte 2

Manipulieren Sie Ihre Vocals mit Robotereffekten oder einer kreischenden Verzerrung.

Während wir Ihnen im ersten Teil dieser Tutorialreihe die Grundlagen der kreativen Gesangseffektierung näher gebracht haben, zeigen wir Ihnen diesmal, wie Sie die Effekte Elastic Audio, Distortion und Vocoder für sich nutzen können.

Im zweiten Teil dieses Online-Workshops stellen wir Ihnen weitere Kreativ-Effekte für Ihre Gesangsaufnahmen vor, die Ihre Mischungen noch aufregender und interessanter gestalten.

V. Tape-Stop-Effekt

Nun wollen wir einen Effekt simulieren, der zu hören ist, wenn der Stecker eines Plattenspielers bei laufendem Betrieb gezogen wird und die Musik daraufhin langsam abgewürgt wird.

1. Schritt: Wie immer suchen wir uns den gewünschten Gesangspart aus uns trennen ihn gegebenenfalls von einem bestehenden Objekt mittels „T“ ab.

2. Schritt: Wählen Sie nun bei selektiertem Objekt den Menüpunkt „Effekte > Time / Pitch > Elastic Audio...“. Sie sehen, dass sich der Gesangspart im Elastic Audio Editor geöffnet hat.

Achten Sie darauf, dass der Algorithmus „Resample“ ausgewählt ist.

3. Schritt: Nun drücken Sie die Schaltfläche „Direct“, um den Tonhöhenverlauf mit absoluten Änderungen zu bearbeiten und stellen das Mauswerkzeug auf „Gummiband“ ein.

4. Schritt: Ergreifen Sie die orange Linie am hinteren Ende des Objekts und ziehen Sie diese dann um eine Oktave nach unten. Die Tonhöhe wird Ihnen dabei rechts auf der Klaviatur angezeigt.

5. Schritt: Schließlich erfassen wir die diagonale Linie an der Stelle im Objekt, an der die Verlangsamung des Tape-Stop-Effekts beginnen soll und ziehen sie wieder auf die ursprüngliche Tonhöhe.

Experimentieren Sie mit der Kurve, indem Sie den Abstopp-Prozeß länger oder kürzer machen. Wenn Sie zufrieden mit dem Ergebnis sind, drücken Sie „OK“.

VI. Tonhöhenkorrektur mit Elastic Audio

1. Schritt: Dazu laden wir unser selektiertes Gesangsobjekt in den Elastic Audio Editor. Klicken Sie auf die entsprechende Schaltfläche „Elastic Audio...“ im Objekteditor.

2. Schritt: Achten Sie darauf, dass im Elastic Audio der Modus „Direkt“ eingestellt ist, bevor Sie die Grundfrequenzanalyse über die „ Tonhöhe > Erkennen“-Schaltfläche ausführen.

Das Gesangsobjekt wird nach der Analyse in einzelnen Slice-Objekte gemäß der erkannten Tonhöhen dargestellt.

3. Schritt: Selektieren Sie diejenigen Slices, deren Tonhöhe Sie ändern wollen und wählen Sie den Algorithmus „Monophone Stimme“.

4. Schritt: Ziehen Sie mit dem Auswahlwerkzeug an den selektierten Slices, um diese in der Tonhöhe zu verändern.

VII. Distortion – Parallele Verzerrung zumischen

Um einen bestimmten Gesangspart anzurauhen und etwas dreckiger klingen zulassen, wollen wir nun mit Verzerrung arbeiten.

1. Schritt: Zunächst trennen wir das Objekt wieder an der gewünschten Stelle und duplizieren es. Dazu ziehen wir das Objekt bei gehaltener Strg-Taste in eine neue Spur. Mit zusätzlich gehaltener Umschalttaste vermeiden Sie, dass das Objekt horizontal verschoben wird.

2. Schritt: Nun statten wir die Gesangsdopplung im Objekteditor mit einem Verzerrungseffekt aus. In diesem Beispiel arbeiten wir mit dem „eFX TubeStage“.

3. Schritt: Suchen Sie sich die Voreinstellung „Rough Vocals“ aus und individualisieren Sie die Einstellung gemäß Ihres Audiomaterials.

4. Schritt: Schließlich mischen wir das duplizierte, angezerrte Gesangsobjekt dem ursprünglichen Gesangspart zu.

Mit dieser Methode können Sie den Gesang dezent anrauhen und ihm so mehr Durchsetzungskraft verleihen.

VIII. Vocoder

Der Vocoder manipuliert einen Trägersignal (z.B. Flächensound - Strings) so, dass der Eindruck entsteht, der Flächensound würde singen. Die Manipulation geschieht durch einen Modulator – in unserem Beispiel das Gesangssignal.

1. Schritt: Wählen Sie im Objekteditor für das ausgewählte Gesangsobjekt das Plug-in „Vocoder“ aus.

2. Schritt: Suchen Sie sich aus der Auswahlliste ein geeignetes Preset aus.

3. Schritt: Passen Sie das innerhalb des Effekts gewonnene Trägersignal nach Ihren Wünschen an. Starten Sie mit dem Standard-Sample und hören Sie sich durch die Liste, bis Sie den passenden Effektsound gefunden haben.

4. Schritt: Mit dem Regler „Sample“ stellen Sie dabei den Anteil des Trägersignals ein. Mit dem Regler „Rauschen“ können Sie weißes Rauschen hinzufügen oder sogar Flüsterstimmen erzeugen.

5. Schritt: Der Vocoder erlaubt es Ihnen auch, mit den Zeichenstiftwerkzeugen die rote Kurve eines FFT-Filter zu modifizieren. Zeichnen Sie den Frequenzverlauf ein, um die Ergebnisse des Vocoders zu optimieren.

6. Schritt: Probieren Sie ruhig einmal aus, wie es klingt, wenn Sie Modulator und Trägersignal vertauschen.

Natürlich gibt es über die vorgestellten Effekte hinaus noch unzählige andere Möglichkeiten, Spezialeffekte für Ihre Vocals zu erzeugen. Probieren Sie z.B. extreme Flanger-Einstellungen mit dem eFX-ChorusFlanger oder kombinieren Sie einen Gesangshall aus VariVerb mit dem eFX_Phaser.

Viel Spaß beim Experimentieren wünscht Ihnen

Ihr Samplitude-Team