Gesang doppeln

Doppelt hält eben doch besser – mit parallelen Effekten fetten Sie Ihre Vocals an und sorgen so für mehr Durchsetzungskraft.

Moderne Produktionen werden genreübergreifend immer aufwendiger produziert. Das führt zu einem dichteren Mix, in dem vor allem Gesang häufig nicht optimal zur Geltung kommt. Während das Problem bei Synthesizern sehr leicht durch Verändern einiger Parameter behoben werden kann, stellen Vocals als mittlerweile fast einziges "natürliches" Instrument, eine Ausnahme dar. Im nachfolgenden Tutorial widmen wir uns daher dem Doppeln von Gesang mit Chorus, Delay und Harmonizer, um ihn im Mix an vorderster Front zu platzieren.

Oft werden Sie beim Mixen feststellen, dass die Hauptgesangsspur zu dünn daher kommt, um sich im Mix durchzusetzen. Wenn EQ-Anpassungen sowie Chorus- bzw. Halleffekte dieses Problem nicht zufriedenstellend beheben können, ist es an der Zeit, die Vocals durch Doppelung fetter zu machen.

Der Effekt einer Stimmdopplung kommt durch mehrmaliges Einsingen am natürlichsten zur Geltung. Für das folgende Tutorial gehen wir jedoch davon aus, dass der Gesangspart nur einmal vorliegt, also nicht mehrmals eingesungen wurde.

I. Breiter durch Delay

1. Schritt: Erzeugen Sie eine AUX-Spur („Spur > Neue Spuren einfügen > Neuer AUX-Bus“) unter der Gesangsspur und legen in deren Plug-in Slot ein Delay.

2. Schritt: Stellen Sie die Delayzeit auf einen Wert zwischen 15 und 30 ms ein. In diesem Bereich ist die Verzögerung noch nicht als eigenständiges Echo wahrzunehmen. Außerdem stellen Sie den Mix-Balance-Regler auf 100% wet, damit am Effektausgang nur das Effektsignal anliegt.

3. Schritt: Schicken Sie nun das Gesangssignal auf den AUX-Weg. Wenn Sie das Panorama von Gesangsspur und AUX-Spur etwas auseinander spreizen, hören Sie, wie Ihr Gesang breiter wird. Regeln Sie das Effektsignal etwas herunter, um die Doppelung subtil genug zu gestalten.

II. Fetter durch Doppelung

1. Schritt: Kopieren Sie das Vocal-Objekt in eine neue Spur. Wenn Sie die vorhandene Gesangsspur verdoppeln und exakt untereinander platzieren, erzielen Sie zunächst nur den Effekt, dass das Signal nun doppelt so laut ist.

2. Schritt: Verzögern Sie das gedoppelte Objekt zunächst um einige Millisekunden, indem Sie es einfach mit der Maus im Arrangement nach rechts ziehen.

3. Schritt: Um ein natürlicheres Ergebnis zu erzielen, insertieren Sie in die gedoppelte Spur einen Chorus-Effekt, mit dem Sie für eine leichte Schwebung sorgen.

4. Schritt: Zusätzlich können Sie an dieser Stelle noch ein Delay einfügen, um die Schwebung noch zu verstärken.

5. Schritt: Schließlich stellen Sie die Lautstärke und das Panorama von Originalspur und gedoppelter Spur so ein, dass Ihr Gesang eine natürliche Breite erhält.

III. Split Harmonizer

Der Split Harmonizer-Effekt stellt einen weitverbreiteten Trick dar, um Gesang anzudicken und breiter zu machen. Dabei werden zwei verzögerte Kopien benutzt, die in der Tonhöhe leicht verändert werden und im Panorama links und rechts vom Original-Gesang angeordnet werden.

1. Schritt: Zunächst legen wir Duplikate unseres Gesangsparts in zwei neue Spuren.

2. Schritt: Regeln Sie das Panorama von Spur „Vox_DBL1“ nach links und das Panorama von Spur „Vox_DBL2“ nach rechts.

3. Schritt: Nun wollen wir die Kopien leicht verstimmen. Öffnen Sie zunächst den Objekteditor durch Doppelklick auf das erste duplizierte Gesangsobjekt und stimmen die Tonhöhe um 9-12 Cent nach unten (100 Cent = 1 Halbton).

4.Schritt: Klicken Sie nun auf das andere duplizierte Objekt und heben Sie hier die Tonhöhe um 9-12 Cent an.

5. Schritt: Erzeugen Sie einen Submix-Bus mittels „Spur > Neue Spur einfügen > Neuer Submix-Bus“. Wir nennen diesen Bus „Harmonizer Bus“.

6. Schritt: Nun binden wir in unseren „Harmonizer Bus“ ein Delay als Insert ein und stellen es als Einzel-Delay (ohne Feedback) auf 20-25 ms ein. Achten Sie bitte auch darauf, den Effekt auf 100% wet zu stellen.

7.Schritt: Routen Sie die Ausgänge der beiden Gesangspur-Kopien auf diese neue Subgruppe.

8. Schritt: Schließlich mischen wir das Subgruppensignal der Hauptgesangsspur bei, bis der Gesang angenehm schwebend und breit klingt.

9. Schritt: Experimentieren Sie ruhig mit den Pitch-Werten und den Delayzeiten für diesen Harmonizer-Effekt. Ein zusätzlich in die Subgruppe eingebundener Hall kann den Gesang noch weiter öffnen. Natürlich können Sie den beiden Kopien des Gesangsparts auch unterschiedliche Delayzeiten zuweisen – dann werden Sie auf die Subgruppe verzichten und stattdessen die beiden Kopien individuell steuern und jeweils mit einem eigenen Delay-Effekt belegen.

Und noch ein letzter Tipp: Probieren Sie mal aus, wie sich ein um die 400 Hz eingestelltes Hochpassfilter vor dem Delay macht! Dessen Einsatz sollte Ihren Gesangspart noch runder machen.

Viel Spass beim Experimentieren wünscht Ihnen

Ihr Samplitude-Team