Drums im Mix

Machen Sie Platz für die Drums! Mit dem Equalizer schaffen Sie Raum für mächtige Schlagzeugsounds.

Der Equalizer (zu deutsch: Entzerrer, kurz: EQ) stellt ein wichtiges Werkzeug zur Konturierung einzelner Instrumenten im Mix dar. Die zweite große Aufgabe des EQ im Mixdown-Prozess besteht in der spezifischen Einpassung der Sounds in das Frequenzspektrum bzw. Klangbild. Dabei werden klanggebende Frequenzen gestärkt und "unwichtigere" abgesenkt, um Luft im Mix zu schaffen. So setzen Sie jedes Instrument in eine eigene Nische, was zu einem klaren und transparenten Hörerlebnis führt.

Resonanzfrequenzen schmalbandig absenken

Damit Ihr Mix von Anfang an aufgeräumt klingen kann, säubern Sie jeden Instrumentenkanal von störenden Resonanzen. Um eine Resonanzfrequenz zu finden, sweepen Sie mit dem EQ bei hohem Q-Faktor und aufgedrehtem Gain durch das Frequenzspektrum. Mit diesen Einstellungen äußert sich eine Resonanz durch Wummern oder höherfrequente Klirrgeräusche.

Die so ausfindig gemachten Störfrequenzbereiche senken Sie im nächsten Schritt schmalbandig ab.

Dabei können Sie den Gain-Faktor ruhig großzügig herunterregeln, da die Korrektur eben nur ein schmales Frequenzband betrifft.

Nutzfrequenzen breitbandig anheben

Nutzfrequenzen heben Sie dagegen bei geringem Q-Faktor breitbandig an, wobei Sie die tiefsten und höchsten Nutzfrequenzen am Besten mit Shelving-Einstellungen bearbeiten. Bei der breitbandigen Betonung von Nutzfrequenzen ist dabei etwas mehr Vorsicht mit dem Gain-Regler geboten als bei der schmalbandigen Absenkung der Resonanzfrequenzen.

Vermeiden von Auslöschungen und Interferenzen durch mehrfach auftretende Nutzfrequenzen

Für einen ausgewogenen und transparenten Mix ist es dabei unabdinglich, dass Sie bei geboosteten Frequenzen des einen Instruments eine Frequenzmulde für denselben Bereich des anderen Instruments erzeugen. So ist es einem transparenten Klang sehr förderlich, wenn Sie die Bassdrum unter 100 Hz per Shelving EQ anheben und gleichzeitig genau diesen Frequenzbereich für die HiHat-Entzerrung mittels Hi-Pass herausnehmen.

Da die optimale Frequenzauswahl zusätzlich von vielen anderen Faktoren wie Stilrichtung, Instrumentenauswahl, Aufnahmeraum, Mikrofonierung, Tiefenstaffelung usw. abhängig ist, sind die Angaben im Folgenden nur als grobe Richtlinien zu sehen. Beim Entzerren – wie beim Mischen überhaupt – gibt es keine starren Regeln; vertrauen Sie deshalb im Endeffekt ihrem subjektiven Hörempfinden und nehmen Sie die Empfehlungen als ersten Anhaltspunkt, von dem aus Sie dann den Sound formen und entwickeln.

Kickdrum

 

Der Grundton einer Kickdrum spielt sich vornehmlich im tieffrequenten Bereich zwischen 60 Hz und 100 Hz ab. Dabei können Sie den Sound im Subbassbereich absenken, um undefiniertem Wummern entgegenzuwirken. Das charakteristische Attack-Geräusch der Kickdrum erreichen Sie durch eine Anhebung im Bereich zwischen 3,5 kHz und 5 kHz. Wenn Sie das Fellgeräusch herausarbeiten wollen, heben Sie das Signal bei 800 Hz leicht an.

Hier die EQ-Empfehlungen für die Kickdrum im Einzelnen:

Subbassbereich unter 45 Hz: LoCut
Bassbereich 60Hz: Sinuston triggern
Bassbereich 100 Hz: +3dB
Fellgeräusch 800 Hz. +2dB
Anschlag 3,5 kHz bis 5 kHz: +4dB

 

Tipp: Wenn Ihr Bassdrum-Sound Ihnen noch zu dumpf klingt, können Sie ihn schärfen, indem Sie das Frequenzband im Bereich von 250 Hz bis 300 Hz absenken.

Und so triggern Sie einen 60 Hz-Sinustons zum Andicken des Kik-Signals:

1.Schritt: Rufen Sie über das Menü „Effekte“ den Wellenformgenerator auf und stellen Sie als Wellenform „Sinus“ sowie 60 Hz als Frequenz ein.

2. Schritt: Im folgenden Dialog legen Sie fest, in welchem Ordner Sie die zu erzeugende Audiodatei ablegen wollen.

Der 60 Hz Sinuston erscheint nun als Objekt in Ihrer Kik-Spur.

3. Schritt: Erzeugen Sie eine neue Spur, nennen Sie sie „60HzSinus“ und ziehen Sie das generierte Sinustonobjekt hinein.

Nun hören Sie auf der Spur einen durchgehenden Sinuston von 60 Hz. Dieser soll aber nur zusammen mit dem Kik-Signal erklingen, um diesem den nötigen Druck zu geben. Dazu triggern wir das Sinussignal mit Hilfe eines sidechain-fähigen Gate-Effekts.

4.Schritt: Laden Sie die „Advanced Dynamics“ in den Plug-in-Slot Ihrer Sinustonspur.

5. Schritt: Aktivieren Sie Im Effektdialog den Sidechain-Eingang sowie „Spur 01: Kik“.

Diese Einstellung bewirkt, dass Ihr Sinuston-Effekt nun durch die Kik als Steuerungssignal getriggert wird.

6. Schritt: In den „Advanced Dynamics“ wählen Sie zunächst das Preset „Gate“ aus und stellen den Modus auf „Gate & Limiter“ sowie den Parameter „Reaktion“ auf „Peak“. Das Level des Gates ist mit -22dB so eingestellt, dass das Signal nur dann durchgelassen wird, wenn der Kik-Schlag mit entsprechender Lautstärke erfolgt. Für unser Beispiel ergibt eine Attack-Zeit von 15,5 ms und eine Release-Zeit von 70,8 ms die besten Ergebnisse.

7. Schritt: Mit dem Kanalfader der Sinuskurve bestimmen Sie schließlich, wieviel „Bauch“ Sie ihrem Kik-Signal beifügen wollen.

 

Multing

Eine weitere Bearbeitungsmöglichkeit von verschiedenen Frequenzbereichen stellt das sogenannte „Multing“ dar. Damit ist die unterschiedliche Behandlung von verschiedenen Duplikaten einer Spur gemeint. Multing ist im Bereich der Drums besonders für Bassdrum- und Snare-Signale geeignet, da Sie mit dieser Methode besonders gut verschiedene Aspekte des Klangs herausarbeiten können. Im folgenden Beispiel wollen wir die Charakteristika des Kikdrum-Sounds in zwei verschiedenen Spuren zusammenmischen.

1. Schritt: Laden Sie das Kik-Signal in eine Spur und duplizieren Sie das Objekt , indem Sie es bei gehaltener Umschalt- und Strg-Taste in zwei weitere Spuren ziehen.

Muten Sie zunächst die Originalspur sowie die zweite duplizierte Spur.

2. Schritt: Die erste duplizierte Bassdrum-Spur soll das Klangfundament des Klangs darstellen. Dazu betonen wir den Bassbereich um die 50Hz. Da es bei dieser Spur nur um den Klangbauch geht, senken wir die höheren Frequenzbereiche ab 2,6 kHz ab.

 

3. Schritt: Nun muten wir die erste duplizierte Bassdrum-Spur und heben die Stummschaltung für die zweite duplizierte Bassdrum-Spur auf.

Für dieses Duplikat streben wir mehr Attack und Durchsetzungskraft an. Dazu boosten wir die Frequenzbereiche um 5kHz und 12kHz. Gleichzeitig beschränken wir das Low-End bei 150 Hz.

 

4. Schritt: Nun heben wir die Stummschaltung der ersten Duplikatspur wieder auf und mischen beide Signale zusammen. So erhalten Sie das Beste aus zwei Welten: Einen natürlichen Bauchklang im Low-End-Bereich bei gleichzeitig knackigem Attack.

 

Tipp: Zusätzlich zur EQ-Bearbeitung können Sie auch beide Duplikatspuren individuell gaten oder komprimieren, um den Klangunterschied noch deutlicher herauszustellen. Schließlich können Sie auch damit experimentieren, die Originalspur zu den Duplikaten hinzuzumischen.

Nächstes Mal erfahren Sie, wie die Snare mit Hilfe des EQs zum Scheinen bringen können und wie Sie einen Snare-Teppich mittels „Rosa Rauschen“ simulieren können.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Erzeugen des optimalen Bassdrumsounds durch den EQ im Mix.

Ihr Samplitude-Team