Das Mastering-Tutorial

Normalisierungen, Fades, EQs, Feintuning: Hier finden Sie die wichtigsten Tipps und Tricks für ein druckvolles Master.

Die eigenen Ohren möchten uns gerne einreden, dass laut immer auch besser ist. Darum entscheidet letzten Endes die Lautheit eines Songs, ob wir ihn mögen und wiederhören. In den Glanzzeiten des Radios war dies ein simpler Trick, sich von der Konkurrenz abzuheben. Durch die erweiterten technischen Möglichkeiten ist es heutzutage auch sehr leicht möglich, es damit zu übertreiben – und den Song zu ruinieren. Wir zeigen Ihnen heute, wie Sie Ihr Projekt optimal auf das Mastering in Samplitude vorbereiten und wieviel Lautheit Ihren Song perfektioniert.

Beim Mastering geht es um die technische und klangliche Nachbearbeitung von bereits fertig gemischten Musikstücken. Dabei wird die optimale Balance aus Dynamik- und Frequenzverlauf bei angemessener Lautheit angestrebt.

Das Mastering ist entstanden aus den klanglichen und technischen Anpassungen, die notwendig waren, um die Musik auf die Tonträger Schallplatte bzw. Musikkassette zu übertragen. Bei dieser Gelegenheit führte man noch weitere Schritte zur Verbesserung der Mischung aus. Daraus entwickelte sich das kreative Mastering.

Die beste Option für den Erhalt eines druckvollen, ausgewogenen Masters mit Transparenz und Tiefe ist sicherlich das Aufsuchen eines professionellen Mastering-Studios. Diese Studios verfügen über sehr teures, analoges und digitales Spezialequipment, das im besten Fall von erfahrenen Mastering-Engineers mit viel Wissen und Erfahrung bedient wird.

Wenn Sie sich allerdings die Kosten für ein Mastering-Studio sparen wollen, geben wir Ihnen in diesem Workshop einige Tipps, wie Sie auch in Ihrem Homestudio mit Samplitude-Boardmitteln hervorragende, amtliche Ergebnisse erzielen.

Vorbereitende Maßnahmen:

Bevor Sie mit dem Mastering-Prozess beginnen, sollten Sie sich sicher sein, dass der Mischvorgang inklusive Automation abgeschlossen ist und Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. Verzichten Sie im Mix-Stadium auf starke Kompression/Maximierung der Stereosumme. Wenn die Mischung ausgewogen und transparent klingt, ist die Zeit für das Mastering gekommen. Darüber hinaus sollten Sie über eine gute Abhöre, eine verlässliche Raumakustik oder zumindest über einen sehr guten Kopfhörer verfügen.

1. Schritt – Mischung exportieren: Zunächst exportieren wir unseren finalen Mehrspurmix als Stereospur. Dazu wählen wir „Datei > Exportieren > Wave...“ und in den Formateinstellungen 88200 Hz und 24 Bit; Stereo aus.

Für die Exporteinstellungen entscheiden wir uns für die Exportoption „Komplettes Projekt (bis zum letzten Objekt)“.

2. Schritt – Neues VIP erstellen: Nun öffnen Sie ein neues VIP-Projekt mit „Datei > Neues virtuelles Projekt (VIP)...“ und laden die zuvor exportierte Audiodatei über „Datei > Importieren... > Audiodatei laden...“. Passen Sie beim Import die VIP-Samplerate auf 88,2 kHz an.

3. Schritt – Gleichspannung entfernen: Als erste technische Korrektur wollen wir den Gleichspannungsanteil aus unserem Musikstück herausnehmen. Eine dem Signal überlagerte Gleichspannung führt zu einer leichten Verschiebung der Wellenform dergestalt, dass die Achse nicht mehr exakt auf der Nulllinie liegt. Dies kann zu einem tieffrequenten Störsignal und zu ungenauen Kalkulationen nachfolgender Plug-ins führen. Mit der Funktion „Effekte > Restauration > Gleichspannung entfernen...“ beheben wir diese Gleichspannungsverschiebungen.

An dieser Stelle sollten Sie eventuell auftretende Knackser, Klickgeräusche, Knistern, Brummen, Rauschen oder andere Störgräusche mit den entsprechenden Restaurations-Tools wie DeClicker, Decrackler, DeHisser, DeNoiser und Spectral Cleaning beseitigen. Auf diese Spezialfunktionen werden wir in einem zukünftigen Workshop spezieller eingehen.

4. Schritt – Normalisieren: Nun wollen wir unser Signal nach dem maximalen Amplitudenwert ausrichten. Rufen Sie die Funktion „Effekte > Amplitude > Normalisieren...“ auf und stellen Sie den maximalen Ausgangspegel auf -0,4 dB. Bei diesem Wert steht Ihnen noch genügend Aussteuerungsreserve (Headroom) für die weiteren Bearbeitungen zur Verfügung. Die resultierende Pegeländerung wird Ihnen ebenfalls angezeigt.

5. Schritt – Fades: Bevor Sie die Fades für Ihren Song setzen, bearbeiten Sie bei Bedarf über den linken und rechten Anfasser an der unteren Kante des Objekts die Start- bzw. Endposition des Songobjekts.

Nun bestimmen wir die Ein- und Ausblendphase des Objekts über die oberen Anfasser.

Im Objekteditor in der Sektion „Fades“ können Sie Kurvenform und Länge von Fade-in und Fade-out noch genauer einstellen. Wir wählen für unseren Fade-in „Exp.“ für „exponentiell“ und 2557 Millisekunden Fade-in-Zeit. Für den Fade-out stellen wir „Cos.“ für „Cosinus“ und die Fade-out-Zeit auf 11409 Millisekunden ein.

6. Schritt – EQing: Zunächst wenden wir einige „technische“ Korrekturen des Frequenzgangs an. Dazu öffnen wir den EQ116 und stellen für das erste Frequenzband einen High Pass-Filter bei 30 Hz ein, damit die tiefsten Frequenzen, die nicht mehr im hörbaren Bereich liegen, eliminiert werden.

Um im Bassbereich Kick Drum und Bass etwas zu „entmulmen“, senken wir bei 130 Hz schmalbandig ab.

Schließlich frischen wir das Signal bei 12 kHz mit einem leichten High Shelf Boost etwas auf.

7. Schritt – EQ Finetuning: Nach den etwas allgemeineren Frequenzanpassungen widmen wir uns den feineren EQ-Einstellungen. Für unseren Song bietet sich eine schmalbandige Anhebung des Bassbereichs bei 70 Hz an, um dem Bass etwas mehr Bauch zu geben.

Für eine erhöhte Präsenz von Lead Gitarre und Vocals heben wir im fünften Frequenzband den Bereich um 3 KHz etwas breitbandiger an.

Zu guter Letzt bringen wir Gesang und Becken durch einen leichten Boost bei 7 kHz im Klangbild nach vorne.

Um störende Frequenzen schnell ausfindig zu machen, können Sie mit einer Anhebung von 12 - 15 dB durch den Frequenzgang sweepen. Wenn Sie ein Wummern oder eine unangenehme Resonanz hören, senken Sie an dieser Stelle ab. Dabei ist ein gesundes Gleichgewicht zwischen Beseitigen der Störfrequenzen und Erhalt der Nutzfrequenzen wichtig. Arbeiten Sie zügig, damit sich Ihr Ohr nicht an extreme EQ-Einstellungen gewöhnt und nutzen Sie stets die Möglichkeit zum AB-Vergleichshören.

Neben dem Peakmeter sollten Sie auch den Frequenzgang immer über das Spektroskop im Auge behalten.

8. Schritt – Stereo Enhancer: An dieser Stelle im Mastering sollten Sie die Stereobasisbreite kontrollieren. Wenn Sie den Eindruck haben, Ihrem Song fehlt es an Räumlichkeit, können Sie eine Stereobasisverbreiterung ausführen. Der Samplitude-Multiband Stereo Enhancer erlaubt Ihnen die Korrektur des Stereobildes in drei unabhängigen Frequenzbändern.

Öffnen Sie den Multiband Stereo Enhancer über „Effekte > Stereo / Phase > Multiband Stereo Enhancer...“. Zur Vergrößerung der Stereobasisbreite regeln wir den Basisbreitenregler des Mittenbandes.

Wir wollen die Stereobasis nur dezent verbreitern. Dazu wählen wir die Voreinstellung „Enhance Stereo Smart“, passen die Trennfrequenzen der einzelnen Bänder durch Ziehen mit der Maus im Grafik-Display an und experimentieren dann mit der Stereoerweiterung des Mittenbandes. Die Basisbreite von Bassband und Höhenband belassen wir unverändert.

Achten Sie darauf, dass bei der Bearbeitung der Stereobasisbreite Phasenprobleme entstehen können und die Monokompatibilität leiden könnte. Kontrollieren Sie deshalb Ihr Signal immer mit dem Phasenoszilloskop und dem Korrelationsgradmesser.

Um die Monokompatibilität zu gewährleisten, sollte das Signal im Phasenaszilloskop nicht zu sehr nach links oder rechts ausfransen. Der Korrelationsgradmesser sollte zu jeder Zeit Werte zwischen 0° und 90° anzeigen.

9. Schritt – Multibandkomressor: Mit dem Multibandkompressor bearbeiten Sie verschiedene Frequenzbänder Ihres Musikstücks parallel und unabhängig voneinander mit spezifischen Kompressionsverhalten. Dadurch können Sie insgesamt stärker in die Dynamik eines Songs eingreifen und eine Erhöhung der Lautheit erzielen.

Öffnen Sie die Samplitude-Multiband Dynamics und rufen Sie als Ausgangspunkt die Voreinstellung „MaxLoudness1“ auf.

Zunächst definieren wir die Trennfrequenzen zwischen den Bändern. Dazu klicken wir in die grafische Darstellung von „Frequenztrennung/Pegelanhebung/-absenkung“, um die Trennfrequenzen der einzelnen Filterbänder durch Ziehen mit der Maus zu verstellen. Die Bestimmung der Frequenzbänder hängt natürlich vom Musikstil ab – für eine Rockmischung sind z.B. folgende Trennfrequenzen als Ausgangspunkt geeignet:

  • Unterste Trennfrequenz ~ 150 Hz: Durch diese Einstellung können Sie den wichtigen Bass-Frequenzbereich für Kick und Bass selektiv bearbeiten.
  • Trennfrequenz ~ 400 Hz: Zwischen 150 und 400 Hz liegt der Bauch der Gitarren sowie das Fundament der Snare Drum.
  • Trennfreqenz ~ 5000 Hz: Zwischen 400 und 5000 Hz liegen beispielsweise die Bruststimme des Gesangs und die meisten anderen Instrumente.
  • Oberhalb von 5 kHz sind bestimmte HiHat- und Beckenanteile sowie Zischlaute und Präsenz des Gesangs angesiedelt.

Mit der „Solo“-Funktion der einzelnen Bänder hören Sie den ausgewählten Frequenzbereich und können die Kompression genau bestimmen.

Balancieren Sie die einzelnen Bänder mithilfe der Parameter „Ratio“, „Threshold“, „Attack“ und „Release“ so aus, dass ein gleichmäßiges Dynamikverhältnis zwischen den Bändern entsteht. Benutzen Sie dabei regelmäßig die „Bypass Dyn.“-Funktion, um den unbearbeiteten Song mit dem komprimierten Signal zu vergleichen.

Ergänzend zum Multibandkompressor benutzen wir nun noch ein weiteres, mächtiges Werkzeug zur Lautheitserhöhung. Dabei verändern wir auch das Klangbild und geben dem Song noch mehr Charakter...

10. Schritt – AM|Munition: AM|Munition ist ein extrem vielseitiges Dynamikwerkzeug zur Bearbeitung von Gruppen- oder Summensignalen. Das Plug-in verfügt über getrennte Einheiten wie Kompression, Filterung, Sidechain, Limiter und Clipper. Dabei geht es um die effektive Verdichtung des Signals ohne störende Artefakte, eine hohe erreichbare Lautheit und ein „analoges“ Regelverhalten mit eigener klanglicher Signatur.

Für unseren Song wählen wir bequemerweise die Voreinstellung „Pop Master 8dB louder“. Passen Sie je nach Charakter Ihres Songs die Einstellungen von Kompressor, Limiter und Clipper von Hand ein.

Auf die verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten von AM|Munition werden wir in einem zukünftigen Workshop spezieller eingehen.

11. Schritt – sMax11: Mit dem Maximizer sMax11 steht Ihnen ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem Sie die Lautheit Ihres Audiosignals noch weiter erhöhen können.

Dies geschieht, indem Sie eine Eingangsverstärkung (Gain-In) vorgeben. Um diesen Pegel wird das Signal verstärkt. Gleichzeitig sorgt der sMax11 dafür, dass das Signal den ebenfalls von Ihnen eingestellten Output-Level (Gain-Out) nicht übersteigt. Dafür ist eine Regelung notwendig, deren Trägheit Sie über den Modus und die Release-Zeit einstellen können. Prinzipiell handelt es sich um einen Hard- oder auch Brickwall-Limiter mit Eingangsverstärkung.

Gehen Sie so vor:

  • Schalten Sie zuerst die Link-Option ein. Dadurch bleibt die Lautheit konstant und Sie können so die Veränderungen besser vergleichen.
  • Erhöhen Sie nun die Eingangsverstärkung Gain-In, bis die klanglichen Veränderungen inakzeptabel werden.
  • Regeln Sie Gain-In nun wieder etwas zurück.
  • Verzerrungen können Sie auch durch das Anheben der Release-Zeit minimieren. Allerdings ist dadurch die Kompressionswirkung und damit der Gewinn an Lautheit geringer.
  • Schalten Sie gelegentlich den Bypass ein.
  • Wenn Sie die optimale Einstellung gefunden haben, schalten Sie die Link-Option aus.
  • Setzen Sie schließlich den Output-Gain auf 0 dB.

12. Schritt – Limiter: Um auf Nummer sicher zu gehen, setzen wir am Ende unserer Mastering-Kette einen weiteren Peak-Limiter als Preset der „Advanced Dynamics“, der alle Pegelspitzen bei -0,1 dB abfängt. Durch die Aussteuerungsreserve von 0,1 dB können Sie sicher sein, dass es zu keinen Übersteuerungen auf anderen Systemen, z.B. im CD-Presswerk, kommt.

13. Schritt – Audioexport - Dithering: Zum Schluss exportieren wir unser Projekt mit einer Samplerate von 44100 Hz und in 16 Bit stereo. Damit ist unser Song bereit zum Brennen auf CD. Als Dithering-Methode wählen wir das Standardverfahren „Dithering mit dreieckförmig verteiltem Rauschen“.

Hören Sie sich die exportierte Datei nochmals an und stellen Sie sicher, dass beim Export keine Fehler aufgetreten sind.

Viel Spaß beim Mastern wünscht Ihnen Ihr

Samplitude-Team