Backing Vocals mischen

Ob fette Lead Vocals oder pompöse Chöre – wir zeigen Ihnen, wie Ihr Gesang fest im Mix sitzt.

Ob prunkvolle Chöre oder subtile Unterstützung der Hauptstimme: Durch den gezielten Einsatz von Dopplungen erzeugen morderne Produktionen einen druckvollen Klang. In einem komplexen Arrangement kann die Stimme sehr leicht hervorgehoben werden, indem sie mehrfach aufgenommen wird. Ob Chöre oder einfache Verstärkung der Leadvocals, die Dopplung ist ein sehr effektives Mittel, Gesang weit vorne im Mix zu platzieren. In diesem Tutorial widmen wir uns daher voll und ganz der Aufnahme und differenzierten Platzierung von Backing Vocals im Panorama.

Hören Sie sich zunächst den Songausschnitt ohne Backing Vocals an:

 

Nun wollen wir die Background Vocals so in den Mix integrieren, dass sie natürlich klingen und sich durch Tiefe und Räumlichkeit von dem Hauptgesang abheben.

Ein Tipp vorne weg: Je mehr Backing Vocals-Spuren Sie beim Recording anlegen, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich beim Mischen. Achten Sie beim Aufnehmen auch darauf, dass die einzelnen Takes möglichst timinggenau zusammenpassen.

1. Schritt: Zunächst stellen wir die Lautstärke unserer Chorstimmen grob ein und platzieren die Backing Vocals mittels Panorama-Poti im Stereobild, während wir die Lead Vocals in der Stereomitte belassen. Idealerweise sollten die einzelnen Background Vocals mehrmals gedoppelt sein – so können Sie die einzelnen Takes flexibel im Panorama anordnen.

 

2. Schritt: Nun wollen wir die Backing Vocals im Mix noch weiter nach hinten mischen, um den Eindruck entstehen zu lassen, sie seien weiter vom Hörer entfernt. Dazu senken wir die hohen Frequenzen mit einem Hi-Cut-Filter bei etwa 4 kHz ab. Die bei unserem Hintergrundgesang besonders hervorstehenden Frequenzen bei 400 Hz und 2,5 kHz beschneiden wir ebenfalls.

Wie Sie sehen, haben wir dazu auch einen Lo-Cut-Filter bei etwa 65 Hz gesetzt, um etwaige Rumpelfrequenzen in den unteren Bässen zu vermeiden.

3. Schritt: In unserem Beispiel können wir diese EQ-Einstellung problemlos per Drag & Drop auf alle Backing Vocal-Spuren übertragen, da diese von ein- und derselben Sängerin eingesungen wurden.

4. Schritt: Die zuvor bei den Backing Vocals beschnittenen Frequenzen bei 400 Hz und 2,5 kHz heben wir nun bei unseren Lead Vocals an. Dadurch schiebt sich der Hauptgesang noch etwas weiter vor die Backing Vocals.

 

5. Schritt: Nun automatisieren wir die Lautstärkekurven der einzelnen Backing Vocal-Spuren. Schalten Sie die Automation auf Touch-Modus, aktivieren im Spurkopf die Lautstärkekurve „vol“ und zeichnen bei laufender Wiedergabe die jeweilige Lautstärkekurve ein. So passen Sie die Dynamik der einzelnen Backing Tracks an den Songverlauf an.

Im Automationsmodus „Trim“ können Sie in weiteren Durchgängen die bereits aufgezeichnete Automation relativ anpassen.

Hinweis: Alternativ zur Automation können Sie auch jede Backing Vocal-Spur in beliebig kleinteilige Objekte zerlegen (Tastaturkürzel: T) und die einzelnen Objekte dann lautstärkemäßig im Objekteditor anpassen.

 

6. Schritt: An dieser Stelle bilden wir eine Audio-Subgruppe, um die Backing Vocals auch zusammengenommen als eine Einheit bearbeiten zu können.

Die Ausgänge der einzelnen Backing Vocal-Spuren routen wir dabei auf den Subgruppenbus.

7. Schritt: Nun wollen wir den Hintergrundgesang komprimieren. Prinzipiell können wir hier bedeutend mehr Dynamik herausnehmen als aus dem Hauptgesang. So grenzen wir relativ undynamische Backing Vocals weiter von den Lead Vocals ab.

In diesem Beispiel verwenden wir den Samplitude-eigenen Kompressor „AM|Track“ im ersten Plug-in-Slot des Submix-Busses.

Wählen Sie das Preset „Vintage Warm“, öffnen Sie die „expert“-Leiste und schalten Sie „auto makeup“ aus. Stellen Sie dann den „output“-Regler so ein, dass eine gute Balance zwischen Lead Vocals und Backing Vocals zu hören ist.

8. Schritt: Schließlich können Sie auch durch die Hallauswahl den Lead-Gesang von den Chorstimmen abheben. In unserem Beispiel mischen wir dem Hauptgesang über den Hilfsausgang AUX1 einen „Ambience“-Raum zu, während wir über den Bus AUX2 etwas Hall auf den Backing Vocal-Bus legen.

Für beide AUX-Wege benutzen wir das Samplitude-eigene Hallgerät „VariVerb Pro“. Über AUX1 speisen wir die Lead Vocals mit dem Preset „[22] want ambience“.

Unsere Backing Vocals unterlegen wir dagegen mit dem Preset „[30] gospel choir“ von AUX2.

Experimentieren Sie in der „expert“-Darstellung mit dem Parameter „predelay“, der die gefühlte Distanz zum Background-Chor vermitteln soll. Je weiter die Backing Vocals entfernt erscheinen sollen, desto kürzer stellen Sie „predelay“ ein.

Mit dem Parameter „ER tail“ regeln Sie nun noch das Mischungsverhältnis zwischen ersten Reflexionen und Nachhall.

9. Schritt: Passen Sie schließlich über den Backing Vocal-Bus die Lautstärke der finalisierten Background-Gesangsstimmen nochmals an.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Abmischen Ihrer Backing Vocals.

Ihr Samplitude-Team