Mischen mit VCA-Fadern

Bis zum Anschlag: Im garantiert spannungsgeladenen Workshop rund um VCA-Fader in Samplitude erhalten Sie wissenwerte Tipps für einen perfekten Einstieg.

VCA steht für „Voltage Controlled Amplifier“. Sie wurden traditionell in Analogpulten zur Steuerung der Verstärkung mehrerer Einzelsignale mit nur einem Fader eingesetzt. Dabei kann man von einer Art Fernbedienung sprechen, die es Ihnen ermöglicht, komplexe Strukturen von Mixerkanälen in Gruppen zusammenzufassen, die über entsprechende VCA-Gruppen-Fader gesteuert werden. Mittlerweile ist diese Funktionalität auch in modernen DAWs integriert. Hier erfahren Sie, wie Sie mittels VCA-Gruppen ein Fader Management System aufsetzen, das Ihnen erheblich mehr Kontrolle und Übersicht bei der Steuerung und beim Zusammenmischen vieler Einzelkanäle verschafft.

Als Anschauungsbeispiel nehmen wir eine Drum-Aufnahme, die auf sieben Spuren/Kanäle verteilt ist.

 

Um Ihnen nun den Unterschied zwischen Audiogruppe und VCA-Gruppe zu verdeutlichen, lassen Sie uns zunächst noch ein paar vorbereitende Schritte durchführen:

Snare-Hall über AUX 1

1. Schritt: Legen Sie im Mixer einen neuen Kanal an, indem Sie einen Rechtsklick auf die Nummer des letzten Drum-Kanals ausführen und „Spuren einfügen“ > „Neuer AUX-Bus“ wählen.

2. Schritt: In der „Plug-ins“-Sektion des neuen AUX-Kanals wählen wir unter „Delay/Reverb“ den Halleffekt „VariVerb Pro“ aus und stellen den Algorithmus auf „Plate A“.

3. Schritt: Nun ziehen wir in der AUX-Sektion des Snare-Kanals im obersten Slot nach rechts und erhöhen somit die Speisung unseres Halleffekts.

4. Schritt: Öffnen Sie über Rechtsklick auf den Plug-in-Slot die grafische Oberfläche des VariVerb Pro und passen die Parameter an, damit der Hall mit dem Snare-Sound gut harmoniert.

Audiogruppe (auch „Audio-Subgruppe“ oder „Submix-Bus“ genannt) anlegen

1. Schritt: Legen Sie im Mixer einen neuen Kanal an, indem Sie einen Rechtsklick auf die Nummer des AUX-Kanals ausführen und „Spuren einfügen“ > „Neuer Submix-Bus“ wählen.

2. Schritt: Wählen Sie alle Drum-Kanäle aus, indem Sie auf die Nummer des ersten Kanals (Kick) klicken und danach mit Umschalt-Klick den letzten Drum-Kanal (Compressed) anwählen.

3. Schritt: Stellen Sie nun die Ausgänge aller Drum-Kanäle auf „Bus 1“.

Damit können Sie den Gesamtpegel aller Schlagzeuginstrumente über den Submix-Bus-Fader steuern.

VCA-Gruppe anlegen

1. Schritt: Legen Sie im Mixer einen neuen Kanal an, indem Sie einen Rechtsklick auf die Nummer des AUX-Kanals ausführen und „Spuren einfügen“ > „Leere Spur einfügen“ wählen.

2. Schritt: Führen Sie einen Doppelklick in das Namensfeld des Kanals aus und nennen Sie ihn „VCA_Group“.

3. Schritt: Um diesen Kanal auch wirklich in eine VCA-Gruppe umzuwandeln, drücken Sie auf die Schaltfläche „VCA“ und wählen „Fader ist VCA-Master“.

4.Schritt: Nun wollen wir die einzelnen Schlagzeuginstrumente auf die VCA-Gruppe legen: Wählen Sie alle Drum-Kanäle aus, indem Sie wie vorher auf die Nummer des ersten Kanals (Kick) klicken und danach mit Umschalt-Klick den letzten Drum-Kanal (Compressed) anwählen. Wenn Sie nun auf die Schaltfläche „VCA“ klicken und „VCA_Group1“ auswählen, erfolgt für alle ausgewählten Kanäle die Zuweisung auf die VCA-Gruppe.

Der VCA-Gruppen-Fader steuert nun die Pegel der zugewiesenen Einzelkanäle. Dies sehen Sie an den dargestellten „Geisterfadern“.

Natürlich können Sie nach wie vor die Pegel der Einzelkanäle auch individuell anpassen.

I. Audiogruppe vs VCA-Gruppe

An dieser Stelle werden Sie sich vielleicht fragen: „Was sind nun eigentlich die konkreten Unterschiede zwischen einer Audiogruppe und einer VCA-Gruppe?“

A) Kanalsignal zu den Post-AUX-Sends

Eine Audiogruppe steuert den Gesamtpegel aller Einzelkanäle, die dieser Gruppe zugeordnet sind, während eine VCA-Gruppe jeden einzelnen zugeordneten Kanalfader beeinflusst. Um den Unterschied deutlich zu machen, probieren Sie Folgendes:

1. Schritt: Starten Sie die Wiedergabe.

2. Schritt: Ziehen Sie dann den Fader der Audiogruppe („Bus 1“) allmählich nach unten.

Wie Sie hören, sinkt der Gesamtpegel der summierten Kanäle, wobei das Hallsignal der Snare unverändert erhalten bleibt.

Allgemein gesprochen bedeutet das, alle über Post-Fader-AUX-Wege gespeisten Effektsignale werden unabhängig vom Pegel des Audiogruppensignals zur Summe zurückgeführt.

 

Wenn Sie das Verhältnis von Direktsignal zu Effektsignal erhalten wollen, müssen Sie in dieser Konstellation die AUX-Send-Speisung nach jeder Pegeländerung der Audiogruppe anpassen.

Durch die Verwendung einer VCA-Gruppe können Sie dieses Verhalten umgehen:

1. Schritt: Starten Sie abermals die Wiedergabe, nachdem Sie das Gruppensignal „Bus 1“ wieder auf 0 dB zurückgesetzt haben.

2. Schritt: Nun beginnen Sie, den „VCA-Group“-Fader allmählich herunterzuziehen.

Wie Sie hören, reduzieren Sie mit dem Zurückregeln der VCA-Gruppe automatisch alle Einzelkanalsignale und somit auch die Post-Fader-AUX-Send-Einspeisungen. Somit bleibt die Balance zwischen Direktsignal und Effektsignal erhalten.

 

B) Insert-Effekte und Audioausgabe

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Audiogruppe im Gegensatz zur VCA-Gruppe eine eigene Audioausgabe besitzt, also über Audioausgänge verfügt und die Möglichkeit bietet, das in der Gruppe summierte Signal weiter mit Insert-Effekten zu bearbeiten:

1. Schritt: Wählen Sie in der Plug-in-Sektion der Audiogruppe „Bus 1“ das „Samplitude“-eigene Dynamikwerkzeug „AM|Munition“ zur Bearbeitung des Gruppensignals.

2. Schritt: Mit dem Preset „Mastering > Rock > Rock MS“ verdichten Sie das Drum-Signal optimal und erreichen eine hohe Lautheit sowie eine charakteristische Röhrenklangfärbung.

 

Die VCA-Gruppe hingegen fungiert als reine Fernbedienung zur Steuerung mehrerer zugeordneter Kanalfader. Durch den Fader des VCA-Gruppenkanals selbst läuft kein Audiosignal. Somit verfügt die VCA-Gruppe auch nicht über eine Insert-Funktionalität oder eigene Audioausgabe. Dies erkennen Sie daran, dass für die VCA-Gruppe kein Ausgangspegel angezeigt wird.

Hinweis: Probieren Sie ruhig auch einmal aus, einen Insert-Effekt in die Plug-in-Sektion der VCA-Gruppe einzubinden – Sie werden bemerken, dass keine Signalbearbeitung im Kanal „VCA-Group“ stattfindet.

II. Kombination von Audio- und VCA-Gruppen

Um die Vorteile von Audio- und VCA-Gruppen auszunutzen, ist es durchaus empfehlenswert – wie wir das getan haben – eine Kombination aus beiden zu verwenden.

So kontrollieren Sie bequem mit nur einem VCA-Fader die Pegel der Instrumente in der Gruppe und stellen gleichzeitig sicher, dass einerseits das Verhältnis von Direkt- zu Effektsignal erhalten bleibt und Sie andererseits über die Audiogruppe das summierte Signal durch Insert-Effekte weiter verarbeiten sowie auf alle verfügbaren Audioausgänge routen können.

Hinweis: Solange der Audiogruppen-Fader auf 0 dB steht (Unity Gain), gilt die Ausgangsanzeige der Audiogruppe auch für die in der VCA-Gruppe zusammengeführten Kanäle.

III. Mute-Gruppen via VCA-Gruppe

Durch die Tatsache, dass bei stummgeschaltetem VCA-Fader kein Kanalsignal zu den Post-AUX-Sends geleitet wird, eignet sich die VCA-Gruppe besonders auch für die Verwendung als Mute-Gruppe.

1. Schritt: Starten Sie die Wiedergabe.

2. Schritt: Klicken Sie auf die „Mute“-Schaltfläche des VCA-Gruppen-Kanals. Wie Sie hören, hören Sie nichts, auch keinen Snare-Hall. Und so ist es bei einer Mute-Gruppe auch meist beabsichtigt.

Im Gegensatz dazu bewirkt die „Mute“-Funktion der Audiogruppe, dass obwohl die Drums stummgeschaltet sind, der Snare-Hall noch zu hören ist.

IV. Solo-Gruppe via VCA-Gruppe

1. Schritt: Starten Sie die Wiedergabe.

2. Schritt: Betätigen Sie die „Solo“-Schaltfläche des VCA-Gruppen-Faders.

Je nachdem, welchen globalen Solo-Modus Sie eingestellt haben, hören Sie die Kanäle der VCA-Gruppe PFL (Pre-Fader-Listening) oder AFL (After-Fader-Listening).

Im folgenden Audiobeispiel hören Sie, wie die Drums über die „Solo“-Schaltfläche der VCA-Gruppe im globalen Solo-Modus „AFL“ abgehört werden.

 

V. Automation der VCA-Gruppe

Schließlich wollen wir die VCA-Gruppe noch automatisieren. Die Automation wirkt auf alle eingebundenen Kanäle. Auch hier können Sie sich den Vorteil in der Praxis nutzbar machen, dass nämlich die VCA-Gruppe das Verhältnis von Direkt- zu Effektsignal beim Regeln der Pegelverhältnisse unangetastet lässt. Wenn Sie zuvor bereits Automationskurven für einzelne Instrumente der VCA-Gruppe erstellt haben, werden diese natürlich berücksichtigt.

1. Schritt: Erstellen Sie eine Automationskurve für die Lautstärke der HiHat, indem Sie die Schaltfläche „Vol“ im Spurkopf der HiHat-Spur aktivieren, im Track Editor über Rechtsklick in der Automationssektion den „Touch“-Modus auswählen, die Wiedergabe starten und mit dem Fader die Lautstärke „on the fly“ anpassen.

2. Schritt: Nun führen Sie in gleicher Weise eine Automation für den Lautstärkenverlauf der VCA-Gruppe durch.

Hören Sie sich die Auswirkungen der beiden Automationsdurchläufe auf die HiHat an.

 

Wie das kombinierte Resultat auf den Gesamtmix klingt, hören Sie im letzten Audiobeispiel.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Mischen mit VCA-Gruppen.

Ihr Samplitude-Team