Lautheit im Mix

Für eine dichte Mischung – mit Bandsättigung und Multiband-EQ geht es der Dynamik an den Kragen

Das Geheimnis eines guten Mixdowns besteht aus einer ausgewogenen Mischung zwischen frequenzselektivem Klang und Lautheit der einzelnen Instrumente. Diesmal wollen wir untersuchen, wie Sie mit Hilfe von Kompressor und Limiter Ihre Mischung dynamisch optimieren können. Dabei wollen wir mehr Lautheit schaffen, ohne dass die Transparenz verloren geht.

I. Kompression

Wenn Sie eine konkurrenzfähige Lautheit erreichen wollen, so ist es ratsam, die einzelnen Instrumente zu komprimieren, um Pegelspitzen abzufangen und die Dynamik einzugrenzen. So gewährleisten Sie, dass sich die einzelnen Signale im Mix durchsetzen. Hören Sie sich den folgenden Sound-Ausschnitt an:

 

Lassen Sie uns beispielhaft dem Bass zu mehr Präsenz verhelfen:

1. Schritt: Zunächst laden wir den Kompressor „AM-Track“ in den Plug-in-Slot der Bassspur.

2. Schritt: Stellen Sie den Kompressor – ausgehend von der Voreinstellung „More Attack“ wie folgt ein:

  • ratio: -15 dB
  • attack: 13 ms
  • release: 0,19 s

 

Wie Sie hören, zeigt der Bass nun mehr Präsenz als vor der Bearbeitung.

II. Sidechain Ducking

Mittels Sidechain Ducking können Sie die Lautstärken zweier Signale, die sich denselben Frequenzbereich streitig machen, dynamisch zueinander anpassen.

In diesem Beispiel wollen wir nun den Bass im Mix leiser werden lassen, immer wenn die Kickdrum einsetzt. Dazu benutzen wir einen Kompressor mit Sidechain-Funktionalität.

 

1. Schritt: Zunächst fügen wir in den ersten Insert-Slot unserer Bassspur den Samplitude-eigenen Kompressor der „Advanced Dynamics“ ein.

2. Schritt: Aktivieren Sie nun die Sidechain-Funktion des Kompressors und wählen Sie als Sidechain-Input die Kickdrum-Spur aus.

3. Schritt: Wechseln Sie in die AUX-Sektion der Kickdrum. Sie sehen, dass der Send-Weg zum Kompressor der Bassspur bereits eingerichtet ist.

Dieser sogenannte Sidechain-Send beschickt den Eingang des Bass-Kompressors mit dem Kickdrum-Signal. Das Kickdrum-Signal steuert nun den Eingang des Kompressors. Die Verstärkung ist dabei auf Unity Gain (0,0) voreingestellt.

4. Schritt: Versichern Sie sich nun durch Rechtsklick auf den Sidechain-Send, dass der AUX-Send auf Pre-Fader eingestellt ist.

Dadurch verhindern Sie, dass ein nachträgliches Ändern der Bassdrum-Lautstärke das Ausmaß der Bassdämpfung beeinflusst.

5. Schritt: Zurück zu unserem Kompressor „Advanced Dynamics“:

Achten Sie zunächst darauf, dass durch die Einstellung „Gate (G) Level: -100 dB“ und „Limiter (L) Thresh: 0.0 dB“ das Gate und der Limiter nicht in die Signalverarbeitung eingreifen. Stellen Sie den Parameter „Modus“ auf „Einfacher Kompressor“, „Reaktion“ auf „Peak“ und „Vorschau“ an.

6. Schritt: Nun ziehen wir den Kompressionsparameter „Threshold“ auf -30dB. Dies bewirkt eine Dämpfung des Bass auch bei leisen Kickdrum-Schlägen.

Als Ausgangswert für den Parameter „Ratio“ wählen wir 2.00. Die relativ geringe Gain Reduction sorgt für sanfte Übergänge zwischen komprimiertem und unkomprimiertem Basssignal.

Halten Sie die Werte für „Attack“ und „Release“ gering, damit die Dynamik des Sidechain-Signals schnell umgesetzt werden kann. Wir wählen für „Attack“ 1.0 ms und für „Release“ 14ms.

Experimentieren Sie mit den Einstellungen unter Zuhilfenahme der „Bypass“-Funktion, bis der Ducking-Effekt geschmeidig im Mix eingebettet ist und sich natürlich anhört.

 

Tipp: Falls Ihr Kompressor den Parameter „Auto Makeup Gain“ besitzt, schalten Sie ihn aus, sonst könnten Sie feststellen, dass das Ducking nicht so reagiert, wie Sie es erwarten.

Mehr zum Thema „Ducking“ finden Sie unter „Samplitude Academy – Ducking Techniken mit Samplitude“.

III. Attack kontrollieren – Bandsättigung mit AM-Track

Wenn Sie feststellen, dass ein Signal sehr scharf im Anschlag klingt, liegt es oft daran, dass es zu große Pegelsprünge beim Anschlag ausweist. Die Obertonstruktur beim Attack führt dabei oft zu einem Verdeckungseffekt, der die anderen Instrumente im Klangbrei untergehen lässt.

Diesem Phänomen können Sie mit Hilfe eines Bandsättigungs-Plug-ins entgegenwirken.

Im folgenden Beispiel wollen wir den Peak-Sound im Anschlag der Snare eingrenzen.

 

1. Schritt: Laden Sie „Am-Track“ in den Plug-in-Slot der Snare-Spur.

2. Schritt: Ausgehend von dem Preset „Snare“ legen wir folgende Einstellungen fest:

  • threshold: -24dB
  • ratio: 1:6.0
  • knee 87
  • drive: vca
  • attack: 1.7ms
  • release 94ms

Darüber hinaus schalten wir als Bandsättigungseffekt die „tape simulation“ ein. So erreichen wir eine Glättung der Attack-Zeit wie auch der Obertöne:

  • level: 0dB
  • EQ lo/hi: -0.5dB
  • bias: -10%
  • output: 0dB

Öffnen Sie zusätzlich den „expert“-Modus, um die Funktion „auto makeup“ auszuschalten.

 

Tipp: Die Bearbeitung durch Kompressor und Bandsättigung zur Zähmung der obertonreichen Attack-Phase empfiehlt sich auch für spitze HiHat- oder Clap-Spuren.

IV. Transparenz und Lautheit im Mix – Multiband Dynamics

Um unseren Mix noch transparenter zu gestalten, verwenden wir die Samplitude-eigenen „Multiband Dynamics“. Dieses Tool stellt quasi einen „dynamischen Equalizer“ dar, der eine frequenzabhängige Bearbeitung der Signaldynamik erlaubt. Durch die Dynamikbearbeitung in separaten Frequenzbändern verringern Sie die Gefahr des Pumpens, die beispielsweise dadurch entsteht, dass die Kompression einer Pegelspitze im Bassbereich das ganze Signal herunterdrückt.

Achten Sie im folgenden Hörbeispiel vor allem auf den Gitarrensound:

 

Schritt 1: Zunächst laden wir die Multiband Dynamics in den Plug-in Slot

und öffnen die grafische Oberfläche des Dialogs durch Rechtsklick auf den Slot-Eintrag.

Schritt 2: Nun stellen wir die für die Bearbeitung relevanten Frequenzbänder unseres Gitarrensounds ein. Dabei belassen wir die Anzahl der Bänder auf drei

und ziehen die Grenzfrequenzen im Display mit dem Mauszeiger an der gestrichelten Linie auf ~200Hz und ~800Hz.

Schritt 3: Wir wollen uns vor allem um den Frequenzbereich zwischen 200Hz und 800Hz – also um Band 2 – kümmern, um der Gitarre mehr Transparenz und Klarheit zu verleihen. Stellen Sie den Modus auf „Kompressor“, den Threshold auf -35 dB und die Ratio auf 4.00, um den dumpf klingenden Bereich des Signals zu komprimieren.

Schritt 4: Außerdem komprimieren wir auch den tiefen Frequenzbereich unter 200Hz in Band 1, wenn auch etwas weniger stark.

Schritt 5: Schließlich frischen wir die Höhen in Band 4 auf, indem wir ihnen im Modus „Komp.Max.“ zu mehr Lautheit verhelfen.

Somit haben wir dem Gitarrensignal durch frequenzselektiver Kompression zu mehr Transparenz und Lautheit verholfen.

 

V. Maximale Lautheit durch den Limiter

Durch den Limiter können Sie die Lautheit Ihres Audiosignals erhöhen, ohne dabei Verzerrungen zu erzeugen. Dabei werden zunächst Pegelspitzen reduziert und somit ein verdichtetes Signal erzeugt. Die Dynamik zwischen lauten und leisen Signalanteilen wird also beschnitten, bevor die reduzierten Pegelspitzen des Signals wieder bis zur gewünschte Lautstärke am Ausgang angehoben werden. Dadurch gewinnen die leiseren Signalanteile an Lautheit und die durchschnittliche Lautstärke wird erhöht.

Beim Mastering steht das Limiting des Songs meist ganz hinten in der Verarbeitungskette, da hier noch die extra Portion Lautheit herausgeholt werden kann und das Signal gleichzeitig vor unerwünschten Verzerrungen geschützt wird. Sie können jedoch auch jedes Einzelinstrument mit dem Limiter zu mehr Durchschlagskraft verhelfen.

Wenn Sie maximale Lautheit ohne Verzerrungen anstreben, empfiehlt es sich, die Pegelspitzen in mehreren Stufen abzufangen, z.B. im Einzelkanal, im Subgruppenkanal (falls vorhanden) und schließlich auch im Stereosummenkanal.

Im folgenden Beispiel wollen wir den Drums noch mehr Lautheit geben.

 

1. Schritt: Laden Sie den eFX_Limiter in den Plug-in-Slot der Drum-Gruppe.

2. Schritt: Vom Preset „Rock Maximizer +6dB“ ausgehend stellen wir die Parameter wie folgt ein:

  • threshold: -8.00dB
  • release: 40ms
  • clip gain: -0.77dB
  • IN (Eingangsverstärkung): 0dB
  • OUT (Ausgangspegel): -0.10dB

Bei den Drums reduziert der Limiter vor allem die tiefen Frequenzen der Kick, da diese einen hohen Pegel aufweisen und doch für das menschliche Ohr weit weniger laut hörbar sind als die Anschläge und Obertöne im Präsenzbereich. Durch die Beschneidung des energiereichen (Sub-)Bassbereichs bringt der Limiter die Anschlagsfrequenzen zwischen 1 kHz und 3 kHz besser zum Vorschein. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie durch das Limiting nicht zuviel Druck der Bassfrequenzen verlieren.

 

Im abschließenden Beispiel setzen wir den Samplitude-eigenen Limiter „sMax11“ in die Stereosumme als Master-Plug-in, um das Prinzip des Limiters im Mastering-Prozess zu veranschaulichen.

1. Schritt: Laden Sie den Limiter „sMax11“ in den Plug-in-Slot der Master-Plug-ins-Sektion.

2. Schritt: So finden Sie die beste Einstellung mit sMax11:

  • Schalten Sie zuerst die Link-Option ein. Dadurch bleibt die Lautheit konstant und Sie können so die Veränderungen besser vergleichen.
  • Erhöhen Sie nun die Eingangsverstärkung Gain-In bis die klanglichen Veränderungen zu stark werden.
  • Regeln Sie Gain-In nun wieder etwas zurück.
  • Verzerrungen können Sie auch durch das Anheben der Release-Zeit minimieren. Allerdings ist dadurch die Kompressionswirkung und damit der Gewinn an Lautheit geringer.
  • Schalten Sie gelegentlich den Bypass ein.
  • Wenn Sie die optimale Einstellung gefunden haben, schalten Sie die Link-Option aus.
  • Setzen Sie schließlich den Output-Gain auf -0.1 dB oder auf 0 dB.

Wir stellen die Parameter wie folgt ein:

  • Gain In (Eingangsverstärkung): 2.0 dB
  • Gain Out (Ausgangspegel): -0.10 dB
  • Release 3.0 ms
  • Modus: Ausgewogen

 

Hinweis: Wenn Sie vorhaben, Ihren fertig gemischten Song zum Mastering in ein externes Studio zu geben, nehmen Sie den Effekt an dieser Stelle heraus, da jedes Mastering-Studio seine eigenen, abgestimmten Verarbeitungsschritte inklusive Limiting auf das Audiosignal anwendet. Achten Sie dann nur darauf, dass das Summensignal nicht klippt, sondern bestenfalls noch bis 3dB Aussteuerungsreserve (Headroom) aufweist. So gewährleisten Sie, dass dem Mastering-Engineer genügend Spielraum bleibt, um seine „magische“ Masteringkette zur Geltung zu bringen.

Wenn Sie Ihren Mix gerne innerhalb Samplitude mastern wollen, erfahren Sie mehr zum Thema unter „Samplitude Academy – Mastering mit Samplitude“.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Erzeugen von Lautheit und Transparenz mit Hilfe von Kompressor und Limiter.

Ihr Samplitude-Team