Kreative Gesangseffekte

Innovative Gesangseffekte richtig einsetzen.

Bei der Vielzahl an Produktionen, Mischtechniken und "Signature"-Sounds ist es gar nicht so leicht, sich klanglich vom Rest der Musikwelt abzuheben. In diesem Tutorial lernen Sie mit einfachen Mitteln, den Gesang kreativ zu verändern.

Neben der rein technischen Dynamik- und Klangkorrektur bietet Ihnen Samplitude die Möglichkeit, mit vielerlei Spezialeffekten kreativ zu arbeiten. Dabei geht es in der Regel darum, trotz "Aha"-Effekt weiterhin die Klarheit und Sprachverständlichkeit des Gesangs zu gewährleisten.

I. Telefonstimme

Dieser Effekt ist weit verbreitet und dabei schnell mit dem EQ erzeugt.

1. Schritt: Trennen Sie den Gesang an der Textpassage, die Sie mit Telefonstimme belegen wollen, auf. Dazu platzieren Sie den Play-Cursor an den Anfangs-/ bzw. Endpunkt und trennen das Objekt jeweils mit dem Tastaturkürzel „T“. 

2. Schritt: Öffnen Sie den EQ116 im Objekteditor des selektierten Objekts, das Sie mit Telefonstimme belegen wollen.

3. Schritt: Wählen Sie das Preset „Phone“ aus der Kopfleiste des EQ116-Effektdialogs.

Der EQ stellt ein Bandpass-Filter dar. Dadurch wird das Frequenzspektrum für das Objekt auf den Bereich zwischen ca. 500 Hz bis ca. 5000 Hz beschränkt.

Nun erklingt eine Telefonstimme für das bearbeitete Objekt.

4. Schritt: Zur Verfeinerung des Effekts fügen wir eine leichte Verzerrung hinzu und spreizen die Stimme im Stereobild mit dem Multiband Stereo Enhancer.

II. Rhythmisches Delay

Der Einsatz von rhythmischem Delay an markanten Stellen im Arrangement – z.B. an der letzten Silbe einer Strophe – sorgt für Räumlichkeit und Tiefe im Song.

1. Schritt: Kreieren Sie, wie oben, durch Trennen (Tastaturkürzel „T“ oder Menü „Bearbeiten“ > „Trennen“ > „Objekte trennen“) ein neues Objekt an der entsprechenden Silbe im Text.

2. Schritt: Öffnen Sie das eFX_StereoDelay im Objekteditor des selektierten Objekts.

3. Schritt: In diesem Beispiel wollen wir ein rhythmisches 1/16 Stereodelay erzeugen. Dazu wählen wir zunächst das Preset „Analog Ping Pong 1-16“ aus der Kopfleiste des eFX_StereoDelay-Effektdialogs.

Die Voreinstellung des Effekts liefert uns bereits ein gut klingendes Stereodelay, das durch die aktivierte „tempo-sync“-Schaltfläche synchron zum Songtempo reagiert.

4. Schritt: Experimentieren Sie nun mit dem „feedback“-Regler, um die Transparenz fein einzustellen. Mit dem „damping“-Regler sorgen Sie für eine Dämpfung der Höhen, um Klangbrei zu vermeiden.

III. FX Delay

Nun wollen wir mit speziellen Effekt-Delays Spaß haben.

1. Schritt: Wieder suchen wir uns eine bestimmte Gesangspassage, die im Arrangement, mit besonders markanten Effekten bestückt, herausstechen soll und erzeugen daraus ein Objekt mit dem Tastaturkürzel „T“.

2. Schritt: Auch für dieses Objekt öffnen wir via Doppelklick den Objekteditor und laden in die ersten beiden Plug-in-Slots die MAGIX-Plug-ins „ECOX“ und „Filtox“.

3. Schritt: In unserem Beispiel wählen wir den ECOX-Effekt „space one“, unterstützt vom FILTOX-Effekt „tape in the sun“.Experimentieren Sie nach Herzenslust mit den Effekt-Delays von „ECOX“ und kombinieren Sie diese mit speziellen Filtereinstellungen von „FILTOX“.

Aber bitte übertreiben Sie es nicht mit den abgefahrenen Spezialeffekten für die Vocals. Dosiert eingesetzt sind sie jedoch das Salz in der Suppe im Mixing-Prozess.

IV. Timestretch-Metall-Effekt

Ein interessanter Vocal-Effekt läßt sich auch erzielen, indem man einzelne Wörter oder Silben zeitlich extrem dehnt. Durch das starke Timestretching entsteht als Nebeneffekt ein metallener Klang. Dieser Effekt bietet sich besonders für das letzte Wort am Ende eines Gesangsabschnitts an.

1.Schritt: Wir suchen uns das letzte Wort unseres Gesangs aus und trennen an der entsprechenden Stelle, wie gehabt, das Gesangsobjekt.

2. Schritt: Nun stellen wir unseren Mausmodus um auf Pitchshift-/Timestretch-Modus.

3. Schritt: Nun setzen wir das Mauswerkzeug am unteren, rechten Ende unseres Gesangsobjekts an und ziehen nach rechts, bis wir den Timestretch-Faktor 4.000 erreichen.

4. Schritt: Schließlich nehmen wir noch die Feineinstellung für den Parameter „Stretchfaktor“ im Objekteditor vor. Dazu ziehen wir im entsprechenden Feld den Wert mit Hilfe des Mauszeigers.

Um den Effekt noch zu verstärken, können Sie zusätzlich zum Timestretching auch noch den Pitch Faktor verändern, um die Stimme auch in der Tonhöhe zu verändern.

Im zweiten Teil dieses Tutorials stellen wir Ihnen weitere Kreativ-Vocal-Effekte vor. Bis dahin, viel Spaß beim Experimentieren wünscht Ihnen

Ihr Samplitude-Team