Druck im Mix

Walk the Line – meistere den Spagat zwischen Dynamik und Druck.

Ziel heutiger Produktionen ist es fast immer, druckvoll zu klingen. Im heimischen Projektstudio möchten wir dem so nahe wie möglich kommen und übertreiben es damit auch das ein oder andere Mal. Denn einer Zunahme von Druck steht eine Abnahme der Dynamik direkt gegenüber. Und obwohl auch das erst einmal gewünscht ist, bewegen wir uns auf einem schmalen Grat. Durch zu viel Kompression kippt nicht nur das Frequenzbild und erzeugt einen verwaschenen Sound, auch die Stereobreite wird reduziert und die Mischung klingt sehr ermüdend. Wie Sie das optimale Verhältnis von Kompression zu Dynamik erreichen und auch ohne Kompressor den Druck Ihrer Mischung erhöhen, erfahren Sie in diesem Tutorial.

Nachdem wir beim letzten Mal unser Augenmerk auf die Erhöhung der Lautheit im Mix gelegt haben, wollen wir diesmal untersuchen, wie Sie Ihrer Mischung zu mehr Druck verhelfen können.

Die relevanten Frequenzen für das Erreichen von Druck liegen im Wesentlichen bei 60 bis 120 Hz. Da das menschliche Gehör in diesem Frequenzbereich aber weitaus weniger empfindlich ist als in dem das letzte Mal angesprochenen Präsenzbereich um 4 kHz, müssen Sie dem Signal bedeutend mehr Energie, d.h. Pegel, zuführen, damit es sich im Mix durchsetzen kann.

I. Limiter vorsichtig einsetzen

Seien Sie bitte vorsichtig beim Gebrauch des Limiters, da dieser oftmals den unerwünschten Effekt mit sich bringt, die energie-, also pegelreichen tiefen Frequenzen zu beschneiden, was oft dazu führt, dass der Druck aus dem Song entweicht.

II. Parallel-Kompression

1. Schritt: Da wir die Einzel-Drum-Instrumente jeweils auf eigenen Spuren angeordnet haben, bilden wir zunächst eine Subgruppen-Spur (Menü „Spur“ > „Neue Spur einfügen“ > „Neuer Submix Bus“) und routen die Ausgänge der einzelnen Drum-Instrumente auf die neu erstellte Gruppe. Wir nennen sie „DrumBus“.

Wenn Sie mit einem Drum-Loop arbeiten, können Sie sich diesen Schritt sparen, denn der Loop stellt ja bereits Ihre Stereo-Drum-Gruppe dar.

 

2. Schritt: In der AUX-Sektion der Drum-Gruppe senden wir das Drumloop-Signal mit dem Send Level 0.0 (Unity Gain) zu unserem Kompressionsbus AUX 1, indem wir im ersten freien Feld einen Balken nach rechts aufziehen.

Aktivieren Sie außerdem über Rechtsklick das Kontextmenü und schalten Sie das Send-Signal auf Pre-Fader.

Dadurch erreichen Sie, dass das an den Kompressionsbus AUX1 gesendete Signal vom Fader der Drumloop-Spur unabhängig ist.

3. Schritt: Im Mixer erscheint der Kanal AUX1, in dessen Plug-in-Slot wir den Kompressor AM|Track laden.

Stellen Sie diesen, ausgehend vom Preset "Submix Retro", ruhig etwas extremer ein, da der AUX-Kanal als paralleler Zumischeffekt eingesetzt wird. Für unser Drum-Signal stellen wir den Parameter „level“ auf 21 dB, drehen „ratio“ auf 24 dB und halten „attack“ mit 0,7ms sehr kurz.

4. Schritt: Schließlich mischen Sie die beiden Kanäle „DrumBus“ und „AUX 1“ zusammen. Wenn Sie das richtige Mischungsverhältnis gefunden haben, hören sich die Drums druckvoll komprimiert und doch transparent und dynamisch an.

5. Schritt: Der Druck der Parallelkompression beim Schlagzeug ist maßgeblich von Bassdrum und Snare abhängig. Da wir gleichzeitig einen möglichst natürlichen Becken-Sound behalten wollen, nehmen wir die Overhead-Kanäle sowie das HiHat-Signal aus der Kompression heraus. Dazu routen wir deren Ausgang wieder direkt auf die Stereosumme.

 

Mehr zum Thema Parallelkompression finden Sie unter „Samplitude Academy – Parallelkompression (New-York-Kompression) mit Samplitude“.

III. Druck schaffen – Platz machen

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie keinen Druck in Ihre Mischung bekommen, obwohl doch die einzelnen Signale für sich sehr druckvoll klingen. Oftmals wirkt ein Mix deswegen drucklos, weil zu viele Instrumente gleichzeitig spielen, vielleicht sogar auch noch dieselbe Melodie. Die verschiedenen Signale machen sich dann gegenseitig die Frequenzbereiche streitig und nehmen sich den Raum zur Entfaltung. Dadurch erscheint der Song oft nicht lebendig oder sogar „zugematscht“.

Hören Sie sich folgendes Beispiel an:

 

Sorgen Sie für mehr Druck, indem Sie das Cello stummschalten. Dadurch kommt der Bass viel besser zur Geltung.

 

Wenn Sie nicht auf das Cello-Signal verzichten können, beschneiden Sie die sich mit dem Bass überschneidenden Frequenzen deutlich. In unserem Beispiel betrifft das den Bereich unter 110 Hz sowie die Frequenzen um die 500 Hz.

Somit haben Sie mehr Platz im Mix geschaffen, sodass Bass und Cello gut nebeneinander wirken können.

 

IV. Verdeckungseffekt

Der Verdeckungseffekt besagt, dass beim Hören eines Signals die Empfindlichkeit für andere, leisere Signale abnimmt. Der Grad der Verdeckung hängt dabei sowohl vom Pegel als auch vom Frequenzabstand der Signale ab.

1. Schritt: Um den Verdeckungseffekt für unseren Mix zu nutzen, betonen wir die Gitarre im Refrain.

 

2. Schritt: Nun muten wir das Cello, da dieses von dem lauteren Gitarrensignal ohnehin verdeckt wird.

 

Somit schaffen wir mehr Platz im Mix und mehr Druck für die Gitarre.

V. Tremolo-Effekt

Mehr Druck und Dynamik können Sie auch durch den Tremolo-Effekt in Ihren Mix bringen. Mittels eines entsprechenden Plug-ins modulieren Sie die Amplitude des Instrumentensignals fortlaufend in kurzen, einstellbaren Zeitabständen. Besonders geeignet für diesen Effekt sind Flächen-Sounds wie Streicher-Pads.

 

1. Schritt: Zunächst laden wir das Samplitude-eigene Plug-in „eFX_TremoloPan“ in den Plug-in-Slot der Spur „StringPad“.

2. Schritt: Nun nehmen wir – ausgehend vom Preset „1_16_Deep_Depth_Sync“ – folgende Parametereinstellungen vor:

  • Mit „tempo sync“ aktivieren wir die Synchronisation der Modulation mit dem Tempo des Songs.
  • Den Parameter „shape“ stellen wir auf Linksanschlag. Dies entspricht einer Sinuswelle des Oszillators, welche einen weichen Klang erzeugt. Nach rechts würde das Oszillatorsignal graduell in Richtung Rechteckwelle verformt und somit der Effektklang schärfer.
  • Der Regler „phase“ verschiebt die Phasenlage des Oszillators des rechten Kanals relativ zu dem des linken. Dadurch driftet der Tremoloeffekt mit zunehmenden Werten im Stereofeld auseinander. Bei 180° arbeiten beide Oszillatoren exakt gegenläufig, wodurch der Stereoeffekt hier am stärksten ist. Wir entscheiden uns für einen relativ offenen Höreindruck bei 120°.
  • Mit „depth“ bestimmen wir die Stärke, die das Oszillatorsignal auf den Grad des Tremolo hat. Wir setzen den Wert auf 39%.

 

Durch das im 1/16-Takt periodische An- und Abschwellen des Lautstärkepegels erreichen Sie eine druckvolle Dynamik bei gleichzeitiger Verringerung der durchschnittlichen Lautstärke.

VI. Mehr Attack für die Kick - Sample Trigger

Wenn Sie mehr Druck in Ihrer Bassdrum kreieren wollen, ergänzen Sie das vorhandene Signal mit zusätzlichen Samples. In unserem Beispiel hat die Kick etwas zu wenig Attack.

 

1. Schritt: Deshalb legen wir eine zusätzliche Bassdrum-Spur mit einem Kick-Sound an, der im Obertonbereich mehr Schärfe besitzt. Den Sound triggern wir über MIDI im Sampler "Independence".

2. Schritt: Nun stimmen wir die beiden Bassdrum-Sounds ab, indem wir mittels EQ den Subbassbereich der ersten Kick und den Obertonbereich der zweiten anheben. Die jeweils nicht geboosteten Frequenzbereiche senken wir ab. Somit erhalten wir einen Bassdrum-Sound mit druckvoller Attack-Phase bei gleichzeitig starkem Subbassbereich.

 

Tipp: Auch zur Erzeugung durchsetzungsfähiger Snare-Sounds können Sie zusätzliche Samples einbinden und diese frequenzselektiv bearbeiten.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim druckvollen Mischen.

Ihr Samplitude-Team