Artist-Interview: Simtem

Der kanadische Produzent Simtem im Gespräch über Trap, Musikbusiness und Music Maker

Wir möchten mit euch nach dem Exkurs in die Werbemusik von Jairo Bonilla und in den Minimal Techno von Cyril Picard in die Trap-Musik des kanadischen Produzenten Simtem eintauchen.

Vor rund vier Jahren ging Simtem mit seiner eigenen Facebook-Seite und zunächst kleinen Dubstep-Produktionen an den Start. „Nur so aus Spaß, ohne es zu ernst zu nehmen“, wie er uns sagte. Doch in dieser Zeit wandte er sich immer mehr dem Trap zu und seine Fanbase wuchs auf über 30.000 Follower. Darüber hinaus knackte er mit zwei Trap-Tracks die Millionen-Views-Marke auf YouTube. Simtem ist so über die letzten Jahren hinweg zum Up and Coming Trap-Produzenten avanciert, der dies heute „im Gegensatz zu damals sehr ernst“ nimmt. Seine Releases mit in der Szene bekannten Künstlern, Rappern und Produzenten stellen regelmäßig Subwoofer auf die Probe.

In unserem Interview erklärt er, was seiner Meinung nach die Grundessenz von Trap ist, welche einfachen Grundlagen Neulinge im Trap beherzigen sollten und wie ein Netzwerk funktioniert. Außerdem verrät er, mit welchem kleinem Trick Beats angefettet werden können.

Music Maker - "Music Maker ist eine starke DAW, die auch von Professionals genutzt werden kann."

Nick, wieso hast du dich für den Music Maker entschieden und was gefällt dir besonders an dieser DAW?

Als ich mit der Musikproduktion anfing, habe ich den Music Maker vor allem aufgrund seiner Einfachheit geschätzt. Ich bin dann mit der Zeit als Künstler gewachsen und beschäftigte mich intensiver mit dem Musikmachen und merkte dann, dass der Music Maker eine starke DAW ist, die auch von Professionals genutzt werden kann.

Welche Plug-ins aus dem Music Maker nutzt du am liebsten?

Ich mag den VITA Sampler sehr gerne. Damit kann ich Vocals oder andere Sounds in kleine Stücke schneiden, um daraus Melodien zu entwerfen. Mein anderer Favorit ist der DN-e1 Synthesizer. Dieser ist sehr hilfreich, wenn du coole Bassklänge oder Synth-Leads benötigst. Außerdem kannst du auf sehr einfache Weise Presets laden, was definitiv ein Vorteil ist.

Musikproduktion - "Ich fange einfach so an, wie ich es in dem Moment fühle."

Wie sieht dein Workflow aus, wenn du einen Song produzierst? Hast du einen speziellen Arbeitsablauf?

Um ehrlich zu sein, ist mein Workflow immer anders. Ich habe das Gefühl, dass es so die beste Art und Weise ist. Manchmal beginne ich einen Track mit den Drums, manchmal mit dem Bass oder der Melodie. Ich fange einfach so an, wie ich es in dem Moment fühle.

Wie kreierst du deine Sounds und Klänge? Benutzt du vorgefertigte Samples oder vorrangig VST-Instrumente und spielst alles selber über ein Keyboard ein?

Ich nehme Live-Sounds auf, nutze bzw. kreiere aber auch selbst Samples/Sounds und Melodien. Dank des einfach zu bedienenden Interfaces vom Music Maker fühle ich mich sehr wohl, was Sampling, VST-Instrumente und Aufnahme über MIDI betrifft.

Wo findest du Inspiration und wie kommst du mit Blockaden zurecht?

Ich werde oft inspiriert, wenn ich einfach schaue, was die anderen so machen. Manchmal kommt die Inspiration auch aus mir selbst heraus. Sie kann auch von etwas sehr simplem wie einem Facebook-Post, YouTube-Video oder einem alten Song stammen. Wenn ich keine Inspiration habe, um etwas Kreatives zu schaffen, dann nehme ich mir eine Pause oder mache etwas anderes, das mir Spaß macht.

Trap - "EDM-Trap ist so wie 'In Your Face'"

Wie viel Zeit nimmst du dir in der Regel für die Produktionen?

Gute Frage ... um ehrlich zu sein, könnte ich einen Track an einem Tag fertigstellen, wenn ich es wollte. Aber normalerweise brauche ich gut eine Woche für die meisten Projekte, manchmal auch bis zu einem Monat, wenn ich an mehreren gleichzeitig arbeite.

Wie bekommst du so viel Druck und Punch auf deine Drums? Benutzt du Samples und Presets oder was ist dein Geheimnis?

Ja, natürlich tu ich das. Füg' deiner Kick-Drum einfach mal eine 808 hinzu, das erhöht den Druck. Wenn deine Snare zu schwach klingt, layer sie mit Claps. Das wird einen Riesenunterschied machen!

Was ist deiner Meinung nach die Essenz von Trap?

Das ist eine tiefgehende Frage (lacht). Ich denke, Southern Trap muss dunkel und rough sein. Wenn du dir Trap-Musik aus dem Süden anhörst, sollte es wie die Hood klingen, das ist kein froher Ort.

Für den EDM-beeinflussten Trap (der Stil, den ich vor allem mache) gilt oft das Gegenteil. Er kann schmutzig sein, aber vom Vibe her etwas fröhlicher und aufgedrehter. EDM-Trap ist mehr so wie "In Your Face" und du hast meistens weniger Lyrics als die Southern Trap Music.

Simtem und Musikbusiness - "Release nicht etwas, nur um etwas zu releasen!"

Wo siehst du deine musikalischen Wurzeln, Nick?

Nicht viele aus meiner Familie haben Musik gemacht, also würde ich schätzen, dass es hauptsächlich davon kommt, dass ich in meiner Kindheit sehr viel Musik gehört habe. Bis zum jungen Teenager-Alter habe ich Gitarre und Schlagzeug gespielt. Ich habe auch in der Highschool klassische Musik gespielt, war aber ironischerweise immer sehr schlecht im Musikunterricht (lacht). Mit 14 habe ich vom DJing und Produzieren erfahren und der Rest ist Geschichte.

Du hast regelmäßig Featurings mit lokal bekannten Rappern wie Dubskie oder Blak Trash. Auch wenn es um das Sharing von Tracks geht, bist du sehr gut über alle Kanäle hinweg vernetzt. Wie hast du dir dieses Netzwerk erarbeitet und aufgebaut?

Der Aufbau eines Netzwerkes mit Connections braucht sehr viel Zeit. Es hat viel mit Freunde finden und Kommunizieren zu tun. Als ich anfing zu produzieren und meine Tracks an YouTube-Channels geschickt habe, wurde ich entweder ignoriert oder abgelehnt. Als ich dann als Produzent besser wurde, wurde ich auch besser darin, herauszufinden, wie man mit Networks/Label-Inhabern persönlicher interagiert. Ich habe dann also auf die Formate E-Mail und "Submit Here" verzichtet. Dasselbe gilt für Künstler, Kollaborationen, Sharing – das gegenseitige Anhören der Songs ist so wichtig! Mehr Menschen müssen das begreifen und sollten aus dem Produzieren keinen Wettbewerb machen.

Welche Tipps hast du für Anfänger, die auch Trap produzieren möchten?

Du musst viel recherchieren! Lern die Ursprünge von Trap Music kennen, die verschiedenen Stile, die Leute, die in dem Genre involviert sind und welche DAW sich anbietet. Das ist alles wichtig und wird dir auf deinem Weg als Künstler helfen. Übung ist auch sehr wichtig – release nicht etwas, nur um etwas zu releasen. Nimm dir Zeit und mach etwas, dass dir auch selbst Spaß bereitet und worauf du stolz sein kannst.

Welche Projekte möchtest du in naher Zukunft angehen?

Nun ja, ich habe eine große Kollaboration mit Juke Ellington, die im Februar kommt, sowie einen eigenen Release im März! Ich peile noch mehrere Veröffentlichungen dieses Jahr an und habe große Lust, verschiedene Musikstile auszuprobieren. Natürlich möchte ich noch mehr mit anderen Produzenten, Rappern und Labels zusammen arbeiten.

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