Verzerrte Realität – Mixing Workshop

Plädoyer: Warum der Bass beim Abmischen von verzerrten Gitarren integraler Bestandteil des Mixing-Prozesses sein sollte.

Beim Mixen von verzerrten E-Gitarren ist es wichtig, auch das Basssignal in den Prozess mit einzubeziehen. So können sich beide Signale ergänzen und nehmen sich nicht gegenseitig Durchsetzungskraft weg.

Bass splitten

Hören wir uns die Bassspur an:

1. Schritt: Zunächst splitten wir das Basssignal, indem wir eine neue Spur anlegen

und das Bassobjekt auf die neue Spur duplizieren (Tastaturkürzel: Strg + Umschalt + Bassobjekt mit der Maus in die neue Spur ziehen).

Bass 1

2. Schritt: Die erste Bassspur soll nun für die tiefen Bassfrequenzen verantwortlich sein. Hierfür sorgen wir im Zusammenspiel mit den Drums bei 50Hz mittels EQ116 für einen tiefen knarzigen Bass-Boost.

Bass 2

Hinweis: Mittels Sidechain Ducking können Sie die Lautstärken von Kickdrum und Bass, die sich denselben Frequenzbereich streitig machen, dynamisch zueinander anpassen. Um den Bass im Mix leiser werden zu lassen, immer wenn die Kickdrum einsetzt, können Sie einen Kompressor mit Sidechain-Funktionalität benutzen.

3. Schritt: Für die duplizierte Bassspur kreieren wir eine Verzerrung mittels Gitarrensimulation. Dazu laden wir den Samplitude-eigenen Gitarrenverstärker VANDAL in den Plug-in-Slot und stellen das Preset „Recto 4×12 V30“ ein.

Bass 3

4. Schritt: Mischen Sie nun beide Bassspuren zusammen, so dass Tieffrequenzen wie auch Verzerrung gut harmonieren.

Bass 4

Der verzerrte Bassanteil sorgt dafür, dass die Gitarren später im Mix dominanter und fetter klingen.

Gitarrenfrequenzen beschneiden

Nachdem wir mit der Bassbearbeitung das Fundament für die druckvolle Gitarrenwand geschaffen haben, können wir nun die Gitarren selbst bearbeiten.

1. Schritt: Legen Sie eine Subgruppe an

und routen Sie Ihre Gitarrenspuren auf diese Subgruppe

2. Schritt: Zunächst wollen wir relativ großzügig im Bassbereich sowie im High-End-Bereich beschneiden. Hören wir uns zunächst die Gitarrengruppe an:

Guit Group 1

Hier können Sie Einiges wegnehmen, ohne dass der Gitarrensound zu dünn klingt. Senken Sie die Bassfrequenzen zwischen 100Hz und 250Hz. Hier finden sich einige Rumpelfrequenzen, die der EQ mit schmalem Frequenzband beschneidet.

Guit Group 2

Ab 6 – 8 kHz beschneiden Sie über einen Tiefpassfilter unerwünschte Fizzel-Sounds. Oder senken Sie um 2-3dB mit Shelving-Charakteristik ab.

Guit Group 3

Zusammenfassend kann man sagen: Um für mehr Transparenz des Gitarrensounds zu sorgen, veredeln Sie den Klang durch Entfernen störender Frequenzen. Der verzerrte Bass kompensiert die Frequenzen im Klangbild, die Sie bei den Gitarren weggenommen haben.

Multiband-Kompressor anstelle eines EQ

Beim Beschneiden der Gitarrenfrequenzen mit der oben beschriebenen Methode besteht jedoch die Gefahr, dass bei zu vielen eng aufeinander folgenden Korrekturen im Frequenzspektrum das Ergebnis trotz der Kompensation mit dem Bass zu dünn klingt. Eine alternative Methode der Frequenzbereinigung, die den Gitarren nicht zu viel Energie nimmt, besteht durch Komprimieren der störenden Frequenzbereiche im Multibandkompressor.

1. Schritt: Zunächst binden wir den Multibandkompressor als Insert-Effekt in die Gitarren-Gruppenspur ein.

Guit Group No Mb Comp

Hinweis: Da wir einzelne Frequenzbänder individuell bearbeiten wollen, schalten wir die Funktion „Bänder koppeln“ im „Setup“-Bereich aus.

2. Schritt: Für Band 1 stellen wir die Trennfrequenz auf 250 Hz, da wir als Erstes den Frequenzbereich unter 250Hz komprimieren wollen. Dazu ziehen wir an der ersten gestrichelten Linie im grafischen Display nach links, bis der Wert 0,250 für die Trennfrequenz1 erreicht ist.

Außerdem stellen wir die Ratio energisch auf ungefähr 8:1 und geben für Attack mit 10ms und Release mit 22.9ms relativ kleine Werte ein.

3. Schritt: Je weiter Sie nun am Threshold-Regler nach unten ziehen, desto mehr komprimieren Sie die unteren Gitarrenfrequenzen.

Guit Group Mb Comp

Optimieren Sie den Threshold dahingehend, dass die Gitarren auch ohne störende Bassanteile klar und dominant klingen.

Dadurch gewinnt der Mix an Transparenz und wirkt aufgeräumter.

4. Schritt: Auch im Frequenzbereich zwischen 250 Hz und 500 Hz stellt der Multibandkompressor eine effektive Alternative zur EQ-Bearbeitung dar. Um auch in diesem Bereich zu komprimieren, stellen wir wie zuvor die Trennfrequenz für Band 2 ein – diesmal auf 500 Hz.

5. Schritt: Auch in diesem Bereich lassen wir den Kompressor mit 5.30:1 ordentlich zupacken. Die Attack-Zeit stellen wir wieder auf 10.0 ms ein, die Release-Zeit auf 20.9 ms.

6. Schritt: Schließlich regeln wir den Threshold wieder so weit nach unten, bis eine Reduktion von 5-10 dB erreicht wird.

Guit Group Mb Comp 2

Hören Sie sich den Mix im Vorher-/Nachher-Vergleich an, so werden Sie feststellen, wie effizient der Multibandkompressor gerade in den unteren Frequenzbereichen Dröhnen und Rumpeln beseitigt, und dadurch mehr Klarheit und Definition in den Song bringt.

Mix No Mb Comp

Mix Mb Comp

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Einbinden von verzerrten Gitarren in Ihren Mix.

Ihr Samplitude-Team